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für Recht und Freiheit fort, wurde deshalb 1848 von der Regierungals ein Retter gegen den Radikalismus herbeigerufen, erhielt auchwieder ein Amt, spielte im Frankfurter Parlament eine bedeu-tende Rolle und legte bei Beginn der Reaktion sein Amt nieder,nm nicht zum dritten Male abgesetzt zu werden. Er nahm an denpolitischen Kämpfen wieder teil, sobald sich mit dem Ende derfünsziger Jahre die Möglichkeit dazu bot, erlebte auch uoch dieEntwickeluug von 1866, hat sie aber nicht mehr verstanden. DieAblehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. hatte inihm das Vertrauen auf Preußen zu sehr erschüttert. Er starb 1869;die Lösung der Zweifel durch 1870 hat er nicht mehr gesehen.Er war ein Muster jener hochgebildeten nnd begeisterten Männer,die in der Periode von'1815 bis 48 mit einem unserer klügerenund kühleren Generation kaum verständlichen Idealismus auch füraussichtslos scheinende Ziele Amt, Vermögen und Freiheit in dieSchanze schlugen. Welcker ergänzte mit seiner überwiegend histo-rischen Richtung den mehr philosophisch gestimmten Rotteck: ihrgemeinsames Werk, das Staatslexikon, erreichte einen hohen Gradder Vollendung und wurde die wichtigste Stütze des gemäßigtenLiberalismus, der Anhänger der konstitutionellen Monarchie. Soviel man über die Redseligkeit, Voreingenommenheit oder Nach-lässigkeit mancher Artikel schelten mag, im ganzen bot das Staats-lexikon doch eine staunenswürdige Fülle der Belehrung, war ge-tragen von lebendiger Vaterlandsliebe nnd fand eine große Ver-breitung. Die zweite, wesentlich verbesserte Auslage, die in denJahren 1845—48 erschien, vertrat die Partei der konstitutionellenMonarchie schon mit ruhiger Zuversicht, mit dem Gefühl, daß dieGefahr, uuter deren Druck Rotteck das Werk übernommen hatte,überwunden sei.
Alle schmerzlichen Gefühle und Besorgnisse wegen der Tücken der Frei-heitsfeinde, alle Mühen und Leiden der Kampfe treten zurück bei dem er-freulichen Anblick des neuen allgemeineren Erwachens der edleren Kräfteunseres Volkes, bei dem erhebenden Gefühle seines neu beginnenden höherenLebens, welches wie Frühlingsvdem uns umweht. Ja, es ist fröhlich, heutezu leben: die deutschen Herzen und Geister erwachen. Wenn aber die Herzenund die Geister eines so kernhaften Polkes aus langem Winterschlaf füreine große Idee und neue Entwickelnng erwachen, so ist siegreicher Fort-