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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Rankes Historisch-Politische Zeitschrift.

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Die Gegner der Liberalen.

Ein Chorführer nnter den Gegnern der Liberalen war der raschzu großem Ruhme aufsteigende Historiker Leopold Ranke inseinerHistorischen politischen Zeitschrift", die er 183236 heraus-gab. Er schildert sie als die unbelehrbare» Doktrinäre, die sichnur für allgemeine Prinzipien ereifern nndGeschrei" erheben nachVerfassnngen, statt an der Reform bestimmter Einrichtungen znarbeiten. Er tadelt, daß sie für ein wesenloses Weltbürgertum undfür zügellose Preßfreiheit schwärmen. Ranke hat hier die Per-irrungen der Verbitterten und der Radikalen benutzt, um dieLiberalen zu bekämpfen, die sich doch damals in den Verfassungs-kämpfen von Sachsen (1830), Hessen, Hannover (183134) alsdurchaus maßvoll bewährten. Mit den Thatsachen im Widerspruchsteht feruer seine Behauptnng, daß sich die Liberalen um dieBesserung bestimmter einzelner Einrichtungen nnd Gesetze nichtkümmerten. Es ist peinlich, daß sich Ranke zu derartigen Ent-stellungen fortreißen lassen konnte, und ein Beweis, wie sehr erselbst damals unter dem Banne der Schlagworte der herrschendenPartei stand. Unter diesem Banne wagte er auch noch 1836, denAbsolutismus durch die abstrakte Behauptung zu stützen, daß demGeiste der deutschen Monarchie die Mitwirkung von Volks-vertretungen widerstrebe. Die Regierung müsse wohlwollend seinund dafür sorgen,daß jeder Einzelne erfahre, seine Geschäfte, in-fofern sie mit dem Allgemeinen zusammenhängen, werden so gutbesorgt als immer möglich". Dann werde die Idee des Staateseineu jeden ergreifen. Was Ranke hier (1336) sagt, verwirst daSGrundprinzip der Stein-Hardenbergischen Reform, die Teilnahmedes Volkes für den Staat zu wecken durch die Teilnahme am Staat,und zugleich kann ihm der Norwnrf nicht erspart bleiben, daß er dieAnsprüche seiner Partei mit einer allgemeinen Phrase rechtfertigte,die den thatsächlichen Zustünden in den deutschen Staaten wie dengroßen Lehren der Katastrophe dieses Regiernngssystems in der napo-leonischen Zeit ins Gesicht schlug. Außerdem schreibt Ranke , als ob esin den deutschen Landen vortrefflich bestellt gewesen sei. Über Hessens Bedrängnis, über die Vorgänge in Braunschweig und Hannover