Das Preußische Wochenblatt. Jarcke. 241
Familie, die Gemeinde, den Staat, die Gesamtheit aller Völker zu durch-dringen, sie neu zu beleben und zu gestalten: es ist das letzte Ziel derMenschheit, eine unter einem Hirten und in einem Glauben vereinigteHerde zu sein.
In den regierenden Kreisen Berlins nahm man an dieser Kriegs-erklärung gegen die gesamte Entwickelung Preußens seit den Tagendes Großen Knrfürsten keinen Anstoß. Dafür sorgte einmal dieromantische Stimmung des Kronprinzen und der verwandten Seelennnd dann der Eiser, mit dem Jarcke gegen das von ihm geschaffeneZerrbild des Liberalismus kämpfte. Er wußte es so zu zeichnen,daß er als der Vvrkampser des kronprinzlichen Ideals gegen dieseSpottgeburt aus Süude und Thorheit erschien. Die Charakteristik,die er (1832) von dem Königtum gab, deckt sich gauz mit den Ge-danken, in denen sich Friedrich Wilhelm IV. zu bewegen liebte, nndein Satz klingt noch teilweise wörtlich nach in der Thronrede, mitder der König 1847 den Vereinigten Landtag eröffnete:
Insbesondere aber sind wir entschiedene Gegner des gesamten modernenKonstitutionalismuS, der ein willkürliches paPierueS Gesetz in die Stelle desewigen Rechts, die unumschränkte Herrschaft der Sophismen der Zeit undihrer Vertreter in die Stelle eines milden uud weisen Regiments unsererFürsten zu setzen strebt. Wir hassen diese Richtung der Revolution, wiemild sie auch auftreten möge . . . weil wir sie für den Untergang allerwahren Freiheit, die Verleugnung jedwedes Rechts, für den höchsten Gipfeleines konsequenten uud alles umfassenden Despotismus halten.
Eifrig lehrte Jarcke, daß der Staat die schlechten, d. h. diedem Liberalismus anhängenden Professoren ihrer Stellen enthebenund durch „gute" ersetzen müsse. Die schlechte (liberale) Gesinnungin politischen Dingen sei nur das notwendige Resultat schlechterRichtungen des Gemüts und des Herzens: aus Stolz wollten siekeine Autorität in Kirche und Staat, vor allen: nicht das König-tum von Gottes Gnaden anerkennen, und aus Neid forderten siedie Abschaffung alles dessen, was der Pöbel Aristokratie zu nennenpslegt. Jarcke vermied es meistens, bestimmte Namen zu nennen,das Gift seiner Verleumdung reichte um so weiter, aber eine Aus-nahme machte er mit Dahlmann. Man wird es als ein Zeichender Bedeutung des Werkes begrüßen, wie erbittert Jarcke die ebenerschienene Politik Dahlmanns angriff nnd welcher Verdrehungenund Verleumdungen er sich dabei bediente.
Kaufmann, polil. Geschichte. 16