Mctternich. Ergebnis seines Regiments. Sein Sturz. 31?
eine verderbliche parasitische Schlingpflanze, ohne Wurzel im Volke, ohneeine höhere Bildung, ohne eine andere Gesinnung als die des Egoismus,ohne die Kraft und den Willen, die Regierung im entscheidenden Augenblickezu unterstützen.... So wie es jetzt ist, kann es in Österreich nicht bleiben,kann es kein Menschenalter mehr bleiben — von dieser Überzeugung ist da-selbst alles, die Regierten sowohl als die Negicrer, durchdrungen — unddiese einzige Thatsache würde hinreichen, um die Umwälzung herbeizuführen,welche sicherlich und zwar binnen kurzer Zeit erfolgen muß.
Das Buch rührte von einem Manne her, der den höchsten Bc-amtenkreisen und der Aristokratie angehörte, und von diesen Kreisenwurde das Buch verschlungen: so verdammten also auch diese Kreisemit ihm das herrschende Regiment. Ja, auch das im August 1849wesentlich zur Verteidiguug oder Entlastung Metternichs geschriebeneBuch eines österreichischen Staatsmannes, des Grafen Hartig, „DieGenesis der Revolution", urteilte über die österreichische Verwaltungvon 181S—48 nicht viel anders. Die Staatsmaschine habe nichtsgeleistet, weil sie „dnrch vervielfältigte Reibung die Bewegung er-schwerte", und weil es an der bewegenden Kraft fehlte. Besondersausführlich schilderte Graf Hartig die trostlosen Zustände der Staats-konferenz, welche neben dem oder vielmehr für den geistesschwachenKaiser Ferdinand, der vom 2. März 1835 bis 2. Dezember 1848die Krone trug, die Geschäfte leiten sollte. Ähnlich urteilte auchZar Nikolaus in einer Unterredung mit dem preußischen Gesandtenvon Rochow am 27. Februar 1848, uud man mag die Dinge be-trachten, wie man will, so ergiebt sich stets das gleiche Bild. DieZustände Österreichs waren nicht nur morsch, es war auch bekannt,daß sie es waren, und daß die Negierung in sich nicht Mittel undWege zu einer Reform besitze. Das war die allgemeine Überzeugung,und damit war auch die andere gegeben, daß eine Revolution un-vermeidlich, daß sie also insofern auch berechtigt sei.
Diese Revolution begann in Wien am 13. März 1848. Stu-denten und Litteraten traten dabei als Führer auf, und die not-leidenden Arbeiter der Vorstädte gaben ihnen Nachdruck. DieMassen der Arbeiter wurden freilich au den Thoren der innerenStadt zurückgedrängt, aber sie zerstörten dann mehrere Zollhäuserund Fabriken, rissen die Röhren der Gasleitung auf und entzündetendas herausströmende Gas, so daß die Glut iu die Burg hiuüber-