Zgz Die Revolution von 1848 und 1849.
zuzuschreiben, daß sich der König laut und rückhaltlos zn demGrundgedanken der Bewegung bekannte. Nach den Akten undReden des 21. März schien es unmöglich, daß der König zumAbsolutismus zurückkehren könne.
Die nächsten Tage verstärkten diesen Eindruck. Am 22. Märzwurden die Bürger beerdigt, die im Straßenkampfe gefallen waren.Die Beerdigung geschah aus Kosten der Stadt, unter der Leitungeines ans zahlreichen angesehenen Männern zusammengesetztenAusschusses, in den feierlichsten Formen, unter der Teilnahmeder ganzen Bürgerschaft. Die Börse, die meisten Schreibstuben,Lädeu und Werkstätten waren geschlossen, auch in den Druckereiender Zeitungen wurde gefeiert. Die meisten gaben kein Abendblattaus, und das Negierungsorgan, die Allgemeine Preußische Zeitung ,gab nnr einen halben Bogen und entschuldigte sich mit den Worten:„Ganz Berlin hatte am heutigen Tage eine heilige Pflicht zu er-füllen. Den heldenmütigen Opfern eines tief zn beklagendenKampfes waren die letzten Ehren zu erweisen. Auch die an unseremBlatte Beschäftigten find dieser Pflicht gefolgt." Das Blatt, alsodas Blatt der Regierung, erschien mit einem Trauerrand. DieStraßen waren im Trauerflor, daS Hofmarschallamt hatte einenObergärtner mit Arbeitern entsendet, um die 183 Särge zu schmücken,die auf einer ungeheuren Bühne vor der Neuen Kirche aufgestelltwareu. Die Blumen wurden aus deu königlichen Gärten geliesert.Die Verwandten der Gefallenen wurden iu die Kirche geleitet undhier von der evangelischen Geistlichkeit empfangen, an deren Spitzeder Bischof Neander stand. Dann sprach der Prediger Sydow dieWeiherede, nach ihm ein katholischer Priester und ein jüdischerRabbiner ein kurzes Wort.
Der Zug war ebenso feierlich wie großartig: alle Behördenund Korporationen nahmen daran teil, und der vorherrschende Ge-danke war, was der Prediger Sydow aussprach: „Lasset in derEhrfurcht vor den Toten alle Gefühle, welche in der einzelneuBrust verschieden wogen, untergehen." Der Zug ging in Ab-teilungen, nnd so oft eine Abteilung das zweite Portal des Schlosseserreichte, trat der König, nmgeben von Ministern und Adjutanten,auf den Balkon heraus, zwei Trauerfahnen wurden von dort herab-