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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Tie Revolution von 1848 und 1849.

Absage war. Diese Antwort war beivollständig besetzter Kamarilla"zustande gekommen, aber alsbald entzog sich der König wiederihrem Einfluß und suhlte sich durch mancherlei Erwägungen,selbst durch so fernliegende Erinnerungen wie die Wahl KönigKonrads II. im elften Jahrhundert, in Versuchung geführt sich überdie legitimistischeu Bedeukeu hinwegzusetzen, die ihn abhielten, demRufe der Nation zu folgeu. Denn als einen Ruf der Nation, alsdie Stimme des deutschen Volkes betrachtete er die Wahl des Frank-furter Parlaments; er wollte nnr auch die ausdrückliche Erklärungder deutscheu Fürsten haben.

Nun ist kein Zweifel, daß es daran nicht gefehlt hätte, so-bald der König die Wahl auuahm und mit Preußens Macht dievom Parlament geschaffene Verfassung durchführen zn wollenerklärte. Schon am 14. April 1849 gaben die Vertreter allerdeutscheil Staaten außer den Königreichen die Erklärung ab, daßsie die Reichsverfassung anerkennen wollten, drängten auch diepreußische Regierung, das Gleiche zu thun und dem hohen Berufezu folgen,den ihr die Neugestaltung Deutschlands anweise". DieKönigreiche aber waren in einem Zustande der Aufregung undunter einem solchen Druck der nationalen Bewegung, daß man ihreUnterwerfung unter das Gebot des Parlaments in kurzem erwartenkonnte. Württemberg gab anch fchon am 25. April eine entsprechendeErklärung ab. Hoffnungsvoll war es endlich, daß König FriedrichWilhelm IV. durch seiueu Bevollmächtigten Lndolf von Camphausenbei der Rcichsregieruug mit den maßgebenden Männern Verhand-lungen über die Punkte der Reichsverfassuug eröffnete, an denener besonderen Anstoß nahm. Camphansen erhielt die Zusage, weuuder Köuig nur jetzt die Nunahme der Kaiserwürde und der Reichs-versassung ansspreche, so köuue er auf eine konservative Revisionder Verfassung sicher rechnen, und das Reichsministerinm sandteden vom Könige Persönlich hochgeschätzten Beckerath nach Berlin ,nm diese Nachricht zu überbringen und damit die Zweifel desKönigs zu beseitigen. Der König fühlte, daß er sich eigentlich nichtmehr sträuben könne, aber nun trat ihm von neuem der Konfliktmit Österreich und die Schwere der Aufgabe vor die Seele, der ersich nicht gewachsen sühlte. Wie er da von der Gefahr sprach, die