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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Militärkoiwention, Herzog Ernst von Koburg-Gothn.

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Im Zusammenhang dieser Thatsachen gewinnt die Militär-konvention, die Koburg 1861 mit Preußen abschloß, eine Bedeutung,die über die Größenverhältnisse des Läudcheus weit hinausreichtc. Eindeutscher Fürst verzichtete hier ans einen Teil seiner Militärhoheit,fügte seine bewaffnete Macht in den Körper des Preußischen Heeresein, nnd er that dies freiwillig: nicht von Preußen, sondern vondem Herzog ging die Anregung aus. Die Minister der neuenÄra zeigten sogar wenig Lust, darauf einzugehen, fürchteten wohlpolitische Schwierigkeiten, der Herzog betrieb aber die Sache eifrigund schus so das erste Beispiel, wie wenigstens die Kriegsverfassungder deutschen Staaten gebessert werden könne.

Die Fürsten so kleiner Staaten, die sich nicht unbedingt zurück-halten oder einem mächtigen Nachbar ganz anschließen, geraten inbewegten Zeiten fast unvermeidlich in Lagen, die den Spott her-ausfordern. Das ist auch dem Herzog Ernst nicht erspart geblieben,und gewisse persönliche Schwächen und politische Mißgriffe ver-mehrten diese Ungunst des Geschicks, aber um die Entwicklung dernationalen Bewegung hat er sich iu dieser Periode mehrfach er-hebliche Verdienste erworben. Er hat fich gelegentlich auch anVersuchen der Bundcsresorm beteiligt, die nach der entgegengesetztenRichtung zur Uuterwersung unter Österreich führten; aber daraufhindarf man kaum einen Vorwurf erheben, denn solche Widersprüchesind fast allen Politikern seiner Tage begegnet.

Preußen machte es seinen Anhängern schwer, ihm zu dieneu.Gewiß war der Regent auch 1860/62 uoch immer gewillt, anseinem Programm von 1858 festzuhalten, nnd manches geschah, ihndarin zu bestärken. Außer dem, was bereits erwähnt ist, trug dieHeirat des Kronprinzen Friedrich mit der englischen PrinzessinViktoria dazu bei, indem sie die Beziehungen zu dem liberalenEngland im Gegensatz zu der älteren Verbindung mit Rußland stärkte, sodann die Erfahrungen, die der Regent mit den Junkernmachte. Im Mai 1861 erschien der General Graf v. d. Gröbenin Berlin nnd trug dem Könige vor,er habe Nächte lang intiefster Zerknirschung im Gebet mit dem Herrn gernngen", um zuerfahren, ob er für oder gegen das Gesetz über die Besteuerung

der Rittergüter stimmen solle, unddie Stimme von oben" habe

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