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ihrer Einwirkung auf die Bundesangelegenheiten finden könne, vonneuem aussprach und in ausführlicher Weise begründete. DerFrankfurter Reformplan biete keine Bürgschaft gegen Partikularistische Bestrebungen.
Diese Bürgschaft kann Eurer Majestät Staatsministerium nur in einerwahren, aus direkter Beteiligung der ganzen Nation hervor-gehenden Nationalvertretung finden. Nur eine solche Vertretungwird für Preußen die Sicherheit gewähren, daß es nichts zu opfern hat,was nicht dem ganzen Deutschland zu gute komme. Kein noch so künstlichausgedachter Organismus von Bundesbehörden kann das Spiel und Wider-spiel dynastischer und partikularistischer Interessen ausschließen, welches seinGegengewicht und sein Korrektiv in der Nationalvertretuug finden muß.In einer Versammlung, die aus dem ganzen Deutschland nach dem Maß-stab der Bevölkerung durch direkte Wahlen hervorgeht, wird der Schwer-punkt, so wenig wie außer Deutschland , so auch nie in einen einzelnen, vondem Ganzen sich innerlich loslösenden Teil fallen; darum kann Preußen mit Vertrauen in sie eintreten. Die Interessen und Bedürfnisse des preußi-schen Volkes sind wesentlich und unzertrennlich identisch mit denen desdeutschen Volkes; wo dies Element zu seiner wahren Bedeutung und Gel-tung kommt, wird Preußen niemals befürchten dürfen, in eine feinen eigenenInteressen widerstrebende Politik hineingezogen zu werden.
Im Zorn darüber, daß die übrigen Staaten es ablehnten, diein Frankfurt beschlossene Reform auch ohne Preußen durchzuführen,ergriff Österreich den Gedanken, die machtlosen Bundesgenossen bei-seite zu lassen und sich mit Preußen über eine Reform des Bundeszu einigen, ließ ihn aber alsbald wieder fallen. Der in den altenTraditionen wurzelnde Stolz ließ es noch nicht zu, den preußischenEmporkömmling wie eine gleichwertige Macht zu behandeln.
Während sich nun auf dem Boden der Bundesreform derGegensatz zwischen Österreich und Preußen immer schärfer zuspitzte,herrschte unter den beiden Staaten eine erfreuliche Übereinstimmungüber die Maßregeln gegen Dänemark, das die im Londoner Protokollübernommenen Verpflichtungen nicht erfüllte, vielmehr im Jahre1863 Schleswig von Holstein zu trennen und mit Dänemark durcheine gemeinsame Verfassung zn verbinden strebte. Die Meinungenund Vorschlüge der Mittel- und Kleinstaaten gingen dabei mehr-fach über das hinaus, was Österreich und Preußen für rätlichhielten, und der unerwartete Tod des Königs Friedrich VII. vonDänemark am 15. November 1863 gestaltete die Verhältnisse so,
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