II. Die Klassiker.
schon mit dem neuen Jahrhundert nach, wenigstens bei den Deutscheu.Man faud, daß er vom Lobe berauscht, von Schmeichlern nmgebensei. Nachdem sein Perseus entstanden war, hatten diese den Apoll vonBelvedere nicht mehr sür unersetzlich gehalten; durch seinen rasendenHerkules fauden sie jenen alten, ruhenden des Glykon erreicht. DerPapst hatte beide Werke seiner Antikensammlung, dem Musso(ÄLmentino eingereiht. Aber man ahnte schon, daß Künstlerruhmvergänglich sei, und Feruow machte sich zum Sprachrohr dieserMeinung. Es gebe nur einen reiuen, musterhaften Stil, nureinen guten und richtigen Geschmack, der objektiv und subjektivnotwendig sei, gemeinsam das schöne Kunstwerk zu schaffen. Wer dieGesetze des Schönen kenne, müsse ihnen seine Originalität unter-werfen, keine aus eigener Individualität geschöpfte Mauier haben.Für jedes der beiden Geschlechter des Menschen gebe es nur eineursprüngliche Form, ein Ideal, ein Urbild. Wohl könne derKünstler in den Charakteren neu, eigenartig sein, aber im Stilmüsse er dem allein richtigen, dem Stil der Antike treu bleiben.Bisher aber hätten sich die Künstler in ihren Werken selbst „ab-gedrückt", die alte Kuust sei hinter der ihnen eigenartigen ver-schwunden, während der echte Meister nur eine objektive, nie einesubjektive Individualität zeigen dürfe. In ersterer liege die berechtigteSelbständigkeit, in jener die Manier. Das heißt also doch wohl:Den Gegenstand dürse der Meister wählen nach seinem Bedrucken,die Bewegungen darf er erfinden, die Symbolik zu erweitern trachten:aber in der Form müsse er sich der einzig richtigen, der antiken Kunstiu einer Weise unterordnen, daß man auch nicht die Spur seinerPersönlichkeit im Kunstwerke sehe, daß dieses also zur Zeitlosigkeitund zur Volkslosigkeit im uueudlichen Hellenismus sich erhebe — oderherabsinke! Fernow weist nach, daß Subjektivität stets zum Verfallder Kunst führe: So sei Michelangelo zwar von hoher Kraft undGröße, aber durch das Hervorkehren seines Eigenwillens von aus-geprägter Eintönigkeit. Bei allem Feuer sei er uie zur schönenEintracht des Genies mit dem Geschmacke gekommen, so wenig wieAeschylos, Dante oder Shakespeare. Ebenso sei es Bernini , denBarockmeistern ergangen. Es kam Fernow darauf an, festzustellen,inwieweit Canova den reinen Stil erreicht habe, inwieweit er von