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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Carstt'ns im Uvtnl der Nachwelt. Füßli.

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gangenheit, gegeil alles, was nicht im philosophischeil Exempel ohneBruch aufgiug. Und so knin es denn, daß sür Carsteus, deilempsinduiigsreichen, stiilliliungsschivailgereii, seinem Sinnen unter-worfenen, gegen Vernunftsgründe störrischen Sonderling als Vor-kämpfer das Urbild eines Kritikers des 19. Jahrhunderts auftrat,indem er ohne viel Umstände zu machen, den Maler in seinSystem einpferchte. Und so bereitete denn auch Fcruow später demNachlaß des Freundes in Weimar und Jena willige Aufnahme;er bekehrte Goethe dazu, dem Toten nachträglich ein sauersüßesZeugnis für Wohlverhalten auszustellen.

So laut der Beifall für Carsteus in der Folgezeit erklang,so wenig beachtete man in Deutschland bis hellte seinen echtestenKliustgenosseu, den Züricher Heinrich Füßli . Er war der Sohn desMalers Johann Caspar Füßli, des Verfassers der Schweizer Künstler-geschichte, eines Mannes, der inmitten des knnftwissenschaftlichenLebens seiner Zeit stand, des Herausgebers von Winckelmanns Briefeilan seine Schweizer Freuude, des Verwandten von Hans Rudolf,welcher durch sein Künstlerlexikon der Wissenschaft unschätzbare Diensteleistete. Johann Caspars Söhne zogen bald ins Weite: der ältere nachOsterreich , wo auch er im Sinne des Vaters thätig war, der jüngerenach London . Von dort, in der Schule Reynolds gebildet, kam er1770 liach Rom . Er trat aus dem Kreise der Klopstock, Wielaud,Lavater iu den der Mcugs und Winckelmann . Mit diesem ge-meinsam reiste er nach Neapel . In einem Schreiben von 1764redet ihn der Gelehrte mit dem süßen Namen eines geliebten Sohnesan. Er spricht ernst mit dem jährigen, wie mit seinesgleichenüber die Herkulanischen Entdeckungen. Später in England wnrdeFüßli ein Vorkämpfer deutschen Geistes. Er übersetzte LavatersPhysiognomik, einiges aus Winckelmanu, gab Vorlesungen über Knustheraus, die wieder 1803 ins Deutsche übersetzt wurden. Man hatihn in seinem neuen Vatertande stets verhöhnt wegen seines schlechtenEnglisch. Noch gegeil sein Lebensende hatte er seine Schweizer Aus-sprache nicht überwunden. So erzählte noch 1859 der MalerRippiugaie: Er fand kein Stückchen von einem Engländer in deinzwergenhaft kleinen, aber beweglichen, mürrischen nnd ungestümen

Manne, der eher eiuem Franzosen des uuoisir i-«Z>;iir»z glich, auf

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