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IV. Die Landschaft.
Heldenmut oft solche Unannehmlichkeiten sich entgegenstellen! Wo-zu das noch im Bilde darstellen?
So ein Beispiel der Kritik statt vieler. Die Gegenwart unddie Wahrheit sind unkünstlerisch; die Gegenwart, weil sie noch nichthistorisch ist, und die Wahrheit, weil sie oft nicht reinlich genugist. So erging es in der Beurteilung nicht bloß den Malernder vornehmen Gesellschaft, ans der die Leiter der Schlachtenhervorgingen; auch die Maler des bürgerlichen Lebens hattenschwere Kämpfe gegen die schmerzliche Erkenntnis der Zeit durch-zumachen, daß selbst bei so hohem Stand der nationalen Ästhetikdie Nation in ihrer Erscheinung unästhetisch geblieben sei.
Will man Sitten, Tracht, Empfindung der ersten Jahrzehnteunseres Jahrhunderts kennen lernen, so darf man nicht im Reicheder großen Kunst nach Schilderungen suchen. Das Leben, wie eswar, spiegelt sich nur in den Nebenerscheinungen des künstlerischenSchaffens ab. Die großen Ereignisse der napoleonischen Zeit fandenfast nur in den Kupferstichen wenig bekannter Meister ihren Wider-klang, die Folgezeit kann man nur aus den Spottbildern kennenlernen. Selbst die Beweguugeu von 1830 und 1848—49 brachtenkein Echo in der Kunst, außer dem gewaltigen HolzschnittwerkeRethels Auch ein Totentanz, der der liberalen Bewegung wahr-lich kein Loblied siugt, wahrlich mehr auf Seiten der „vertierte»Soldateska" steht. Das Bürgertum, verloren in weltfremde Ideale,war unfähig sich selbst künstlerisch ernst zu nehmen, sich am eigenenSein zu begeistern. Romantiker und Klassizisten waren trotzaller Fehde darin einig, daß man selbst eine lächerliche Gestalt inder Kunst mache, daß nur außerhalb des thatsächlichen Lebens dasSchöne zu finden sei.
Unter den zahlreichen Zeichnern für den Kunsthaudel mit An-sichtsbildern war Karl August Richter iu Dresden einer der be-liebtesten. Ähnliche Künstler gab es vieler Orten, die etwa das Gleicheleisteten. Sanbere Linien, eine der Natur nicht allzuviel Freiheitlassende planmäßige Anordnung des Landschaftlichen, akademischeDurchbildung des Baumschlages nnd als Bestes, eine gewisse Frischein der Behandlung der Staffagen, der meist mit einem Zug ius Lustigebehandelten Menschen. Richters Sohn, der dem Vater früh helfen