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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Schlachtenmaler.

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Archäolog. Dort ein Leben mit dem wehrhaften Volk, auf denfruchtbaren Feldern, unter einfachen Daseinsbedingungen; hier einewissenschaftliche Verschrobenheit, die das Leben nicht kannte uud sichüber dessen allernatürlichste Vorgänge in sittliche Entrüstung uudin ekle Verschämtheit setzte; dort ein Leben in der Gegenwart, hiereines ausschließlich in der Vorstellung einer besseren Vergangenheit.Die Gegenwart war den Gelehrten bedenklich, unwürdig, geschichts-los, bedeutungslos! Denn über sie konnte man doch nicht schreiben,sie bot keine nur einigermaßen wissenschaftlich durchgearbeiteteLitteratur!

Was liegt uns daran, sagte der Düsseldorfer Maler HermannBecker in aufrichtiger Freude an des Berliners Franz Krüger Werk,daß dieser in seinem besten Bilde, der Berliner Parade von 1829,nur die Gegenwart gemalt hat? Darnm ist es doch ein Ge-schichtsbild. Die Gegenwart ist ihm also ein Hindernis in Er-reichung eines echten Kunstwerkes, eine unkünstlcrische Zeit, wie ihmdie Geschichte überhaupt zu sehr an individuelle Erscheinung ge-bunden, zu unsrei erscheint, um zu wahrhast Schönem den Stoffzu bieten. Malt da einer die Schlacht bei Belle-Alliance: dasWetter an jenem Junitage 1815 war regnerisch. Die Kämpferwateten im nassen Korn, in zertretenen kotigen Feldern. DieÜberwindung dieser Unbill war ein wichtiger Teil der Thaten derTruppen an jenem denkwürdigen Tage. Daß die schlechten Wegedie Preußen uicht aufhielten, entschied den Sieg. Und nun hat derMaler das anschaulich machen wollen, dargestellt wie Kämpfer,Pferde, Kanonen, alles wörtlich in Dreck getaucht und umgewälztist. Diese Beschlabberung zieht sich, so ruft der ästhetisch augehauchteMaler, über alle Gestalten. Und das solle Kunst sein, Sichtbar-machung des Schönen! 1849 erhielt bei einem Angriff auf unruhigeVolksmassen ein Dresdener Nationalgardist einen Schlag mit einerReitgerte auf die Hand. Das that freilich recht weh. Er stelltesein Gewehr beiseite und meldete seinen Austritt aus der Garde-Wenn solche Roheiten in einer Revolution vorkommen, wolle er mitihr nichts mehr zu thun haben. Die Ästhetiker wollten auch dieVölkerschlachten ohne Roheit und Schmutz ausgesochten seheu,wenigstens im Bilde: schlimm genng, daß in der Wirklichkeit dem