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IV. Die Landschaft.
der Kenntnis der wirklich diese treibenden Gedanken hervorquillt.Nicht Betrachtungen über den Landmann und seine Art vom Stand-punkt des Städters, sondern ein Leben auf dem Lande!
Jene Maler verfolgten gleiche Ziele wie die Dichter. Aberauch ihnen thut es bald die Fremdläuderei an. Heß ging mitKönig Otto nach Griechenland, viele nach Italien . Namentlich dieItaliener waren in ihrer plötzlich für malerisch erklärten Tracht, inihren an Antike mahnenden Körperformeu bald mehr beliebt alsdie Deutschen. Einen Ciocciaren aus der Campagna Roms, dievorher kein Italiener gemalt hatte, konnten die nordischen Künstlereruster, idealer behandeln, als einen Dachauer Bauer. Schon inKochs Landschaften erscheint die römische Hirtenfrau als Madonna,das spinnende Mädchen als eine klassische Schicksalsgöttin. Länd-lich und zugleich groß, ideal zu werden, lehrte die Deutschen dannder Schweizer Leopold Robert ; dieser stellte die Grundsätze einerneueren, besseren Dorfkunst ans. Friedrich Bischer forderte nundas edlere Genrebild als Voraussetzung des Fortschrittes zn Höherem,als Vorstudie für die größte Aufgabe des zeitgenössische!? Schaffens,und das ist ihm das weltlich-geschichtliche Gemälde. Menschen solleman schildern in gewöhnlicher, harmloser Lebenslage, aber Menschenmit der Anlage znr Größe: das Volk solle man bei seiner Arbeitsuchen, dort sei es erhaben. Roberts Bilder italienischer Volksgruppenhaben es ihm angethan. Dieser Bauernbnrsch, ans Joch hingelehntzwischen den gewaltigen Büffeln, es ist ein Cincinnatus in ihmverloren gegangen; diese hohe Frau mit dem Kinde auf dem Ernte-wagcu, sie könnte Rafael zu einer Madonna sitzen! Bischer merktenicht, daß umgekehrt Rafaels Madonuen dem Robert wie demKoch zn seiner hohen Frau gesessen hatten, daß diese verkleideteKopien nach Nasael sind. Er findet, dies seien Genrebilder, gefühltund entworfen im geschichtlichen, hohen Stil, schwanger mit geschicht-lichen Geiste. Man bringe solche Naturen in Haudluug, und manhabe das geschichtliche Gemälde. Die Anfänge seien da, der guteGeist des deutscheu Volkes habe sie nur fortzubilden.
Man merkte nicht, daß diese Fortbildung in den Tod führe;daß das Unbefangene nicht dnrch Unterschieben einer Absicht gebessertwerden könne. Das Naive, sagt Max Schasker, der Ästhetiker, ist