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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Das historische Genre. Ludwig Richter .

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eine Form des Komischen, die aber ausschließlich der mit denkonventionellen Formen des höheren Kulturlebens unbekannten undinsofern uuschuldigen Natur der Kindheit eigentümlich ist, gleichvielob diese Kindheit einem wirklichen Kinde oder einer noch in kind-lichen Anschauungen befangenen Bildungsstufe des Voltes angehört.Es hat seine Klippen zunächst in der plumpen Trivialität (wiebei Ostade, Teniers ), die zwar niedrig, ja gemein, nie aber komischsei; und in der Karikatur, der absichtlichen Verzerrung der Wahr-heit. Beides liege außerhalb der Aufgabe ernster Kunst. Schaslerweist also die naive Kunst den "Ungebildeten zu, steht selbst überihr hoch erhaben. Wie sollten bei solchen Anschauungen juugeKünstler von Geist nicht die Gelegenheit ergreifen, das Genre indie höheren Kreise wenigstens deshistorischen" Genrebildes zuerheben!

Und so zog auch die Landschafter der begeisterte Aufrufder Kritik wie eigenes Herzensbedürfnis nach Italien . SelbstLudwig Richter machte sich auf den Weg und malte historischeLandschaften, um dann später in romantischen sein größeres Ge-nügen zu finden. Nebenbei aber zeichnete erGenre" für seine nndanderer Leute Kinder. Das war freilich für alle, die über Knnstdenken gelernt hatten, ein kindliches, ja gar ein kindisches Beginnen.In August Hagcns Buche Die deutsche Knust in unserem Jahr-hundert (1859) wird Richter daher auch noch nicht genannt, obgleichdamals schon seit zwanzig Jahren seine Bücher in unterbrochenerFolge in die Häuser des ganzen Volkes drangen, in die Herzen derKinder und durch diese in jene der Eltern; und selbst weitere dreißigJahre später findet H. Becker für ihu uoch keinen Platz außer alsZeichner für den Holzschnitt in seiner Schilderung: Deutsche Maler.Er stand immer noch draußen außer dem Kreise der Meister hoherKunst. Freilich war er seinem ganzen Wesen nach bis in die Wurzelhinein ein sächsischer Philister, beschränkt durch hundert Grenzen derGewöhnung, der aus ihr gezogenen Lebeusgruudsütze, der Abueiguugwie der Liebe. Sein Schaffen spricht deutlich dafür. Ganze Reihendes menschlichen Gedankeickreises fehlen ihm. Alles was starken Willen,entschiedenes Abweisen, klaren Entschluß, ja was nur die dem Mannezum Wirken nötige Kenntnis anch des Bösen betrifft all das

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