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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Die historische Landschaft. Nottmann.

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nung von deren Absichten ausgelegt würde, wollte ich sagen, dieNatnr müsse als Denkmal, unter Abzug wesentlicher Teile, um-gewandelt, ihrer selbst entkleidet und als der aus ihr gezogeneGedanke dargestellt werden. Und doch hielt man dies für hoheWeisheit. Am widerspruchslosesten sei jene künstlerische Dar-stellungsart, welche von möglichst vielRealem abstrahiere", sonamentlich von der Farbe. Es sei daher kein Zufall, daß die vor-nehmsten stilistischen Landschaften, z. B. die Odysseebilder Prellers,gemalt bei weitem nicht den Adel der Stilisierung und die idealeReinheit der Wirkung offenbaren und daher auch nicht den echtkünstlerischen Eindruck machen, wie die einfachen Kartons in Kohle-und Kreidezeichnung.

Ich folge in diesem höchst logisch bewiesenen Unsinn vor allemMax Schasler . Er brachte damit die Ansichten seiner Zeitgenossenin Form und Gesetz, er arbeitete unbeirrt um unklare Künstler-empfindungen mit dein Freimut des Gedankens. Wie aber, wenndie Kunst noch einen Schritt weiter in der Vollendung ginge, wennsie, wie von der Farbe, auch von der Zeichnungabstrahiere"?Warum vor dieser höchsten Verfeinerung stehen bleiben, dnrch die einkleiner Plan von Marathon mit der Jnschrist490 vor ChristiGeburt" uns ein von allen Zufälligkeiten freies Bild einer Naturuud dazu die Verbindung mit einem welthistorischen Gedanken giebt?Ist dies nicht das eigentliche Denkmal, der vollkommenste Abzugalles Zufälligen wie z. B. des Standpunktes des Zeichners, dievöllige Entkleidung von den äußereu Erscheinungsformen, so daß nurdie wesentlichen Teile des Geländes mit vollkommener Schärfe her-vortreten? Es ist die völlig einspruchslose Wiedergabe der Ge-danken der Schlacht in ihrem entscheidenden Augenblick, zumal wenndie Stellungen der einzelnen Heere eingezeichnet sind. Die wissen-schaftliche Anschauung hatte die künstlerische überwunden uud zögertenur noch, jene vollends aufzufressen. Die Ästhetik durfte uicht nochjenen Schritt weiter gehen, weil sie im Begriff war, die Kunst totzu denken und sich selbst damit den Futtertrog umzuwerfen. DerIdealismus war an der äußersten Grenze seines Unverstandes an-gekommen. Aber noch fand er bei allen Gebildeten begeisterten Beifall.Was Wunder, daß nuumehr die Männer, welche eine den Zeit-