Druckschrift 
Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
Entstehung
Seite
182
Einzelbild herunterladen
 
  

182

IV. Die Landschaft,

Zwei Maler nahmen das Gebiet nun für sich in Besitz alseigentliche Herren der deutschen Landschaft, Karl Rottmann undFriedrich Preller , deuen als dritter später Johann WilhelmSchirm er angereiht werden soll. Durch sie wurde die deutscheÄsthetik zu der Überzeugung geführt, daß auch in dieser Knnst dasdeutsche Volk den ersten Rang in der Welt einnähme.

Allen jenen Landschaften der Hamburger und MünchenerRealisten gleich den meisten der alten Holländer warf die Ästhetikvor, daß sie bloß Veduten seien, die dem Künstler keinen Raumzu eigener Bethätigung gäbeu, da er verhaftet am darzustellendenGegenstand klebe. Denn die Natnrformen vertrügen hier keineUmbildung zu höheren Jdealgestaltungen, sie könnten höchstensdurch die Farbe eine Stiinmnug erhalten, dnrch die Versetzung ineine bestimmte Tageszeit einer poetischen Auffassung zugänglichgemacht werden. Der Maler sei der schönen Gegend gegenüber inder bequemen Lage, sich nicht hinsichtlich der tieferen Empfindungin Unkosten zu setzen. Berg und Thal, Wald und Feld köuueman doch nur insofern als Vorbilder idealer Kunst ansehen, alsman durch ihr Studium zu einem idealen Urbild gelange, dasdie Natur in reineren Linien, besonders wohlgeordneten Massenund Gegensätzen vorführe, den geläuterten Erscheinungsformen einenInhalt voll edlerer Poesie verleihe. Dies Idealbild eines höheren,vollendeteren Daseins giebt allein die historische, die stilisierteLandschaft. Hier kommt im Gegeusatz zur realistischen Natur-wahrheit der Idealismus zur Geltung, sie ist also die höchste Ent-wicklungsstufe der landschaftlichen Darstellung. Sie wird erreichtdurch Fortlassuug der zufälligen Naturerscheinungen, also durchAbstraktion. Diese ist es, die sie über die realistische Kunsterhebt. Sie legt wohl das Gewicht ans die Form, wie die rea-listische Landschaft, doch nicht vom Gesichtspunkte der Naturtreue,sondern zum Teil im Widerspruch dazu. Sie nimmt nicht dasNatnrbild auf, fouderu waudelt es um, fo daß es nur im all-gemeinen oder mir in vereinzelten Teilen erkennbar bleibt. Die Natnrwirdmonumental, abstrakt, modifiziert, denaturiert, idealisiert"wiedergegeben. Ich mnsz die zum Teil nnübersetzlichen Fremd-wörter der Ästhetik wiederholen, weil es mir doch wohl als Vcrhöh-