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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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181
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Ludwig Richter . Die historische Landschaft. 181

Mangel an Einheit vor, auffallende Unbeholfenheit in der An-wendung des Halbdunkels, wie man Peter Heß nicht verzieh, das;er bei seinen kalten Tönen verharrte, allen Fortschritten der Kunstzum Trotz. Aber es war nicht bloß Unvermögen, was diese Rea-listen abhielt, tonig zu werden; absichtlich gingen sie dem aus demWege, was der gleichgesinnte Kupferstecher Thäter die Farbeuwichsenannte. Sie malten nicht nach gegebenen Gesetzen, sondern nachihrer eigenen Beobachtung. Und daß Richter, der in seiner Jugenditalienische Landschaften in der Art Kochs und anderer von dessenNachfolgern gemalt hat, später zu einer zwar harten, aber dochselbständigen Farbe in ^der nun allein gepflegten deutschen Land-schaft kam, ist ihm wahrlich zum Ruhm anzurechnen. SeineBilder kann man noch mit freundlichen Augen betrachten; die kolo-ristisch fortgeschrittenen, Warmtonigen der Folgezeit sind uns Neuerenunausstehlich geworden.

Das was sie erfreulich macht, ist die Einfachheit der seelischenEmpfindung. Auf Richter hat die Ästhetik und ihre verschrobeneSchönheitslehre wohl eine Zeitlang Einfluß gehabt. Er kam als einschüchterner, schwächlicher Bursch nach Rom , in das Getriebe dererregt nach dem Erhabenen Suchenden und ließ sich gründlichvon ihnen ins Bockshorn jagen. Als er heimkam, fand er seineigenes Herz wieder. Soweit, wie er Rom vergaß, soweit wurdeer ein Meister, der dauernde Werte schns. Er wurde deutsch undeinfach, sinnig und wahr, er blieb ein etwas kleinlicher, stark spieß-bürgerlicher Sachse, aber als solcher doch ein Mann> von liebevollen:Herzen, von einer dem Volke nahestehenden, diesem daher auchallzeit verständlichen Schlichtheit der" Empfindung. Darum liegtauch der Schwerpunkt seines Wesens in den Werken für verviel-fältigende Kunst.

Der Holzschnitt in seiner einfachen Darstellungsweise ver-mittelte die Herzenswärme des Meisters auf die Menge. Die Auf-nahme des Holzschnittes in Leipzig geschah aber durch englischeKünstler, die von unternehmenden Buchhändlern dorthin berufenwurden. Sie sind auch hier wieder die Stütze des naturgemäßenRealismus im deutschen Volk gegenüber dem von Italien herüber-kommenden fremdbrüderlichen Idealismus.