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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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IV. Die Landschaft,

Bischer selbst half dazu, daß das Verständnis dieser Bildernachließ, trotz seiner Begeisterung für einzelne Arbeiten. Er stellteden Satz auf, die Landschaft dürfe keine Staffage haben, diedas Interesse nach den Vorgängen des menschlichen Lebens, demReich des Bewußten abzieht. Es hilft nichts, meint er, wenn mansagt, beide Sorten müssen zusammengestimmt sein. Das Wesent-liche der Landschaft ist, daß Stimmungen der Seele in ihr nurgeahnt werden; die Ahnung gestaltet sich gern zu der bestimmterenVorstellung einer Scene des Menschenlebens, wie sie dem Wesender Landschaft entsprechen würde. Giebt man aber dieser AhnungGestalt, macht man Ernst mit ihr und führt Menschen oder auchTiere ein, die etwas thun oder leiden, wodurch jene Stimmungenzur eigentlichen Wirklichkeit werden, so verschwindet eben das Wesent-liche, das bloß Geahnte, das träumerische Unterlegen und Über-tragen. So lassen wir den Rappen über das Schlachtfeld vonMarathon laufen und denken: der Maler wird Wohl einen farbigenFleck au dieser Stelle für sein Bild als notwendig gehalten haben,um dem Blick in die Ebene Tiefe zu geben. Eine dort sitzendegleichgiltige Bauerngruppe hätte Wohl auch, vielleicht sogar bessergeholfen, dies künstlerische Ziel zu erreichen!

Noch Pecht hielt Nottmann vor zwanzig Jahren für einenSchiller und Mozart Gleichwertigen, neben Cornelius für einenGeistesverwandten Nafaels und Michelangelos . Heute lächelt erwohl selbst über diese Einschätzung. Die Kunstart, die Rottmannerstrebte, ist entschieden gar nicht seine eigene Erfindung. Sie gehtauch in der Formbehandlung auf Claude Lorrain nnd Poussinznrück und ist ihm durch die Engländer übertragen worden. JohnMartin, James Paker Pyne und andere damals Italien undGriechenland bereisende Künstler hatten diese Kunstform im An-schluß an Turner fortgebildet. Waren doch die Stiche nach TurnersNheinskizzen damals schon im Besitz aller Händler, begann doch derStahlstich diese Blätter zum Geineingut aller Völker zu machen.Aber die großen historischen Landschaften Turners sind doch etwasanderes als jene Rottmanns. Dort ist die Natur mit der voll-kommensten Absicht ans Wahrheit wiedergegeben, der Vorgang sodargestellt, wie er sich abspielte. Ich denke etwa an die Bilder Der