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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Übertritte zum Katholizismus, Tie Nazarencr.

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Pforr warf sich auf das Studium Dürers. Die vier Jahreseines Lebens, welche der Schwindsüchtige zu kämpfen befähigt war,bevor ihn in Rom der Tod erreichte, zeigen eine wunderbare Ver-tiefung in den deutschesten der Meister. Er ist kein Nachahmer,sondern ein wahrer Künstler, der alle Hoffnung gewährte, daß eraus dem Studium zur persönlichen Freiheit gelangen werde. Overbeckerwies sich weicher, minder sicher im Ziel, als ein Künstler vonseinen Sinnen nnd von wunderbarer Klarheit der zeichnerischenDarstellung. Neben Dürer beschäftigten ihn namentlich die altenItaliener und Niederländer des Belvedere. Diese boten demDürstenden den Frischquell künstlerischer Jngend. Sie sahen inihnen eine von Regeln nicht angekränkelte, von dem herrschendenantiken Geschmack völlig freie Schönheit uud Wahrheit. Der Wegzu eigener Bethätigung war ihnen geöffnet dnrch die älteren Meister,die ohne Rafaels Vorbild hatten emporkommen müssen; sie sahenselbst noch in Rafaels Madonna im Grünen jene Zartheit desUmrisses, jene Strenge des Aufbaues, jene Festigkeit im Einhaltendes Lokaltones, jene Sorgfalt in der Behandlung des landschaftlichenHintergrundes, welche der gleichzeitigen idealen, auf die aus Rafaelgezogene Weisheit so stolzen Knnst fehlte.

Die Akademie legte den jungen Künstlern nahe, anderwärtsihre Ausbildung zu suchen. Das sklavische Studium auf denAkademien führt zn nichts! sagte Overbeck. Künstler, welcheheute gleichen Geistes wären wie sie, würden nach Florenz odervielleicht uach den Niederlanden gehen. Florenz war damals einfür Studien fast vergessener Ort. Der alte Kuustruhm war ganzvor dem Roms hingeschwunden. Goethe wählte den Weg überBologna ; auch in den anderen Reisebeschreibnngen, so viel derenerschienen, kommt die Mutter der Renaissance verhältnismäßigschlecht weg.

Nach Rom ging das Sehnen der jungen Wiener Prärafaeliten.Das ist es, was sie weiter von den englischen Jünglingen unter-scheidet, die etwa vierzig Jahre später sich in London in ähnlicherAbneigung gegen die Akademie nnd in gleicher Vorliebe für dieitalienische Frühkunst zusammenfanden. Sie ließen es mit demAnregen von dorther genug sein und suchten in sich deren Fort-