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V. Die Romantiker.
führung. Sie blieben in London und wurden ganz englisch ; dieDeutschen gingen nach Rom und wurden katholisch, und das heißt:allgemein.
Man lachte die jungen Burschen nicht aus in Rom , mannahm sie sogar sehr ernst. Sie zogen zusammen in die Villa Malta ,wo Wilhelm von Humboldt als preußischer Gesandter seineWohnung genommen hatte, später zogen sie nach Sant' Jsidoro,in ein kurz vorher aufgehobenes Kloster. Overbeck, Pforr, Hattinger,Vogel bezogen je eine Zelle, das Refektorium wurde die gemeinsameWerkstätte. Andere fanden sich dazu, namentlich Schadows SöhneWilhelm nnd Rudolf, die des Alteu Lehre von charakteristischerKunst in den jungen Genossen verwirklicht fanden. Dann kam 1811Cornelius niit seinem Freunde Teller. Damals trat auch K. F. E.von Uexküll, ein süddeutscher Kunstfreund, freilich nur beobachtend,dem als Nazarener bald gehöhnten, bald gepriesenem Kreise nah.Es haben sich hier, schrieb er, Künstler von seltenem Talent ver-einigt, beinahe ausschließlich nur heilige und Legendengeschichten zumalen. Alles mnß streng sein: nnr die alten Künstler zwischenGiotto und Rafael sind die wahren Adepten der Kunst; alte Deutschevor IS 20 lassen sie anch mit ankommen; selbst Rafaels Art zumalen aber, daß er die des Perugino verließ, ist eine Verirrungdes großen Mannes; den Guilio Nomano sehen einige schon nichtmehr an. Sie thun Verzicht auf die Vorteile der Ölmalerei, habenscharfe Umrisse, daß man glaubt ein Gemälde aus den altenMissalien zu sehen. Linien- und Luftperspektive werden absichtlichvernachlässigt, denn die Alten haben sie auch nicht. Die Färbungist grell und die Figuren sind häufig platt. Goldgründe, goldeneGlorien, Goldsäume an den Röcken und die Röcke selbst schillernd, Engelmit goldenen Haaren und Schwingen, aus goldeueu Harfen spielend,kommen, wie bei den Künstlern der Zeit vor 1500, zur Verwendung.Auch fehlen nicht, wie bei Dürer und Breughel , im VordergrundeKräuter, Schmetterlinge, Kröten, Eidechsen nnd derlei mehr, Blumenungerechnet. — Man sieht, daß sich bei Uexküll Erstaunen mit Hohnmischt. Denn er kann, als eifriger Freund der Richtung desCarstens, diesen Wandel nicht billigen. Würden Oreagna, Masaccio ,Perugino nicht als richtig fühlende Menschen, kämen sie heute