Die Fresken der Casa Bartholdu,
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dem Vollton rafaelischer Ölgemälde gestärkt hatte. Schadow kam vonder Berliner Akademie her, Mo sich die Technik noch bis zu einemgewissen Grade erhalten hatte, wo ein Gefühl dafür lebendig blieb,daß das Können erst den Meister mache. Jedenfalls war seineAnwesenheit in Rom den Malern sehr vorteilhaft, als sie sichdaran machten, die Technik des Fresko wieder zu beleben. DieseAufgabe, nahmen sie mit der festen Überzeugung auf sich, daßsie dadurch in der Hervorbringung monumentaler Werke gestärktund gefördert würden. Freilich schrieb Cornelius an Gvrres, wennder Geist Gottes uicht mit dieser Kunst sei, so helfen alle Mittelnichts, blieben die größten Anstrengungen nichts als Tand. DiesenGeist vorausgesetzt, sei sie aber geeignet, alle Elemente der Kunstaufs Freieste und Größte in sich aufzunehmen. Statt ans dem Wegeleeren Eklekticismus bloß unvereinbare Äußerlichkeiten vereinen zuwollen, zieht sie wie in einen Brennpunkt die von Gott aus-strömenden Lebensstrahlen zu eiuem glühenden Brande zusammen,der wohlthätig die Welt erleuchtet und erwärmt. Mau war sichalso der künstlerischen That bewußt; bewußt, daß die Gemälde derCasa Bartholdy das Flammeuzeichen auf den Bergen zu einem neuenedlen Aufruhr in der Kunst gäben; Kräfte würden sich zeigen, dieman unserem bescheidenen Volke in dieser Kunst nicht zugetraut hätte;Schulen würden entstehen im alten Geist, die ihre wahrhaft hoheKunst mit wirksamer Krast ins Herz der Nation, ins volle Menschen-leben ergössen.
Und woher dieser Schwung, woher die Hoffnung auf die alte,neu errungene Technik? Fresken werden auf den nassen Kalk ge-malt und zwingen dadurch, daß das frisch angeworfene Kalkfeldvor dem Erstarren fertig gestellt oder abgeschlagen werden muß, zuraschem, entschiedenem Schaffen. Es kann daher die Malerei sichnicht in die Einzelheiten erstrecken, sie muß auf das Ganze ge-richtet sein. Es fehlt ihr zumeist die Tiefe und Leuchtkraft derÖlfarbe, sie behält etwas Zeichnerisches selbst in ihren größtenMeisterwerken. Erst die spätere Renaissance vermochte ihr dieWeichheit der Übergänge und die Toufrische zu geben, die imÖlbild leichter erreicht worden war. Sie zwang zum Verzicht aufein malerisches Gut, auf das die Zeit stolz war. Damals war