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V. Die Romantiker.
kann das schlichte, sinnige, fromme, in sich zufriedene, beglückteLeben des Meisters nur mit herzlicher Freude betrachten, wie esuns sein frommer Sohn darstellte: Diese Kinderseele an Reinheit,an gottseligem Weltvertrauen, an Gelassenheit und bescheidenem Ge-horsam gegen die Ordnungen der Welt; dieses Gefühl für diePflicht, den Autoritäten zu vertrauen, sich ihnen unterzuordnen.Künstlertum war ihm dauerndes Kindertum. Man wird sich zueinem solchen sündenfreien Dasein von ganzem Herzen hingezogenfühlen; man versteht, warum helfende Freunde den Hilflosen stetsumgaben; man erkennt, warum Männer wie Führich sich so ganz ineine ältere Knust versenken konnten, welche sie für gleich gläubigund gleich naiv hielten, wie sie selbst zu bleiben den innigstenDrang hatten. Er wehrte sich mit aller Kraft des Herzens undGeistes gegen die Erkenntnis des seine Sicherheit Bedrohenden, wieetwa ein phantasievolles Kind gegen die Einsicht, daß nicht dasWeihnachtskind den Christbaum schmücke. Das alles spricht ausseiner Kunst mit einer herzgewinnenden Einfalt, die mit der Tiefein seinen Schriften zu messen ist. Und wer dies Kindertum in derKunst sucht, wessen Empfinden in solchem Kindertum die Vollendung,die höchste Stufe des in Gott beruhigten Menschentums erkennt,dem wird keine Dialektik der Welt ausreden, daß wir nicht alle indiesem Leben Kinder bleiben können und bleiben sollen. Er willnicht wissen von der Zeit der Mannheit, davon, daß man der Ver-suchung auf die Dauer nicht durch Flucht begegnet, sondern durchErkenntnis und Kampf; daß auf die Zeit des Fra Angelico einSavonarola kommen muß, auf die des Betens eine solche desHandelns.
Von anderer Art war Peter Cornelius. Der kleine Mannmit der breiten Künstlerstirn und den blitzenden Augen war aufKampf gestellt, es drängte ihn, sich und seiue Ziele in der Öffent-lichkeit zn bethätigen, sie der Welt ausznzwiugen. Dazu bot ihmder Ruf des Kronprinzen, späteren Königs Ludwig I. von Bayern,nach München Gelegenheit und die gewaltige Aufgabe, die Ludwig-kirche mit einer Darstellung des Jüngsten Gerichtes zu schmücken,also mit Michelangelo und mit Rubens in Wettbewerb zu treten.
Erst in den jüngsten Jahren gab ein katholischer Geistlicher, Franz