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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Führich.

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hundert. Das Beste bietet er in seinen Zeichnungen, der Pinselwar ihm minder geläufig, wie den meisten seiner Knnstgeiwssen.Und wie alle Ästhetik eine Darstellung der dem Ästhetiker ge-läufigen Kunst ist, so fanden sich rasch Verteidiger dieser aufFarbe verzichtenden Kunst, der auch Overbeck so gern diente. Werim Inhalt und in der Reinheit des schassenden Gemütes denhöchsten Wert eines Kunstwerkes erkennt, der ist ja der Überzeugungso nahe, daß das Versenken in das Handwerkliche ans Abwege, zumNebensächlichen hinführt; daß also die Kunst, die des wenigstenKönnens bedarf, die von Verführung freiste, die edelste sei. Mitspitzem Bleistifte sauber und sorgfältig zeichnen, der Phantasie imBilde etwas zu suchen und zu finden geben, also nicht alles, wasdas Bild bieten kann, klar zum Ausdruck zu bringen, das machtedas Werk tief, das gab ihm bei dem denkenden Beschauer Wert. Daßin Josef Führich uud seinen Genossen die Kraft lag, unter anderenVerhältnissen Realistischeres zu leisten, daran kann nnr ein Vor-eingenommener zweifeln. Die Absicht fehlte ihm hierzu, uicht daskünstlerische Vermögen, denn gerade in seinen Zeichnungen ist eineso feine Empfindung für den Vorgang, ein so vollkommenes Ver-senken in den Gegenstand, so viel selbständig Erdachtes, so viel echtesLeben, daß man sie nicht wohl aus dem Gedächtnis verliert. Esfehlte ihm nicht die Lust am Dogmatischen, am Grübeln; das beweisenseine Schriften, aber nicht wie bei Overbeck seine Zeichnungen. Hierwollte er nur die Heilswahrheiten, die Leiden Christi und derHeiligen andere mitempfinden machen, das Mitleid mit jenen,welches die Freude seines Daseins war, anderen zn gleicher Be-seeligung übermitteln.

Führichs Sohn erzählt, wie jene Werke entstanden. Der Meistertrennte sich nicht von den Seinen, er arbeitete im Hause, in denkbareinfachster Werkstätte. Das große Altarbild für Stockerau entstandin niederem Raume auf einer Rollstaffelei, der Künstler konnte esnie als Ganzes sehen; die Entwürfe entstanden auf dem Reißbrett.Ein Modell gab es nicht. Nur einmal, inmitten der Revolutionvon 1848 nahm er ein solches, weil die Unruhe ihn schwächte. Erarbeitete sonst aus der Fülle innerer Gestalt heraus, vertrauendauf seinen Gott, daß dieser ihm die rechten Wege weise. Man