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samkeit folgen; wer in dieser nicht nur eine Reihe staats-männischer Akten und Feldzüge sieht, wird über Cornelius unddie Macht seiner Kunst anders urteilen als Muther. Wohl glaubeich, daß 1907 nicht Herman Grimms, sondern eher Tolstois Auffassung über die Kunst und ihren Wert die Welt beherrschenwird. Denn nicht Höhe und Tiefe, sondern Breite des Geistes,der Bildung schafft der Kunst den Boden. Die Einheit nationalerKultur bildet die Stärke eines Volkes, die Grundlage einer echtenBlüte. Und somit wird Cornelius wohl auch iu Zukunft nie„populär" werden, weil er nicht einfach war. Aber er ist keinMarien Heemskerk, denn der war ein braver, schlichter, von allerWelt verstandener, von Gedanken nicht geplagter Künstler, durchausein mittelmäßiger Kopf, dabei unendlich viel geschickter als Cornelius.Dieser aber ist ein gewaltiger, tiefer uud ernster Mensch, ein not-wendiges Glied in der Entwickelung unseres Volkes und damit inder Entwickelung unserer Knust.
Cornelius war nacheinander Direktor der Düsseldorfer undder Münchener Akademie. Er suchte den Kunstunterricht, der beiseinen Mitstrebendeu so arg in Mißachtung geraten war, auf seineWeise zu heben. Daß es ihm nicht gelang, daß kaum einer seinerSchüler zu wirklicher Selbständigkeit kam, außer im Kampf mitdem Meister, ist eine Folge nicht nur der Knorrigkeit, sondern auchder erdrückenden Größe seiner Person.
Der eigentlich erste große Erfolg siel der Düsseldorfer Schulezu, nachdem Cornelius sie verlassen und sein römischer GenosseWilhelm Schadow die Leitung übernommen hatte. Seit 1828nnd 1830 verkündeten die Berliner Preßstimmen den Ruhm derjuugeu Richtung in immer stürmischeren Tönen. Die Sehnsuchtdes deutschen Volkes sei befriedigt, endlich eine dentsch-volkstümlicheKunst geboren.
Wilhelm Schadow war ein echter Berliner, klug, vorsichtigbei äußerem Sichgehenlasscn, des Wortes mächtig, anschmiegnngs-fähig, doch ohne eigentliche Selbständigkeit. Neben ihm hatteWilhelm Wach in Berlin Erfolg gehabt, als der erste nach demKriege, der sich wieder in Paris bei David und Gros Lehre holteund sich iu Rom den Romantikern entgegenstellte, seine sorgfältigere
Gurlitt, IS. Jahrh. 16