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V. Die Romantiker.
Schulung und einen etwas stark zur Schall getragenen Protestantis-mus als Kampfmittel benutzend. Er bekundete diesen dadurch, daßer zum Ärger der Katholiken auf eiuem Bilde die Madonna zwischenLuther und Melanchthon setzte, alle in schöner Farbe und sorgfältigerBeobachtung nach seiner französischen Kunsterziehung. Den Erfolg, dener hatte, mußte Schadow in seiner Weise wett machen. Er bliebdeutsch und mittelalterlich, ohne dabei aufzuhören, ein zierlicher Welt-mann, lustig, stutzerig uud auffallend arrogant in Gesellschaft, mituntermischter Demut zu sein. Das Christentum auf der Zunge treibtmir am meisten die Galle ins Blut, schildert ihn weiter HenrietteHerz . Sieben Jahre später wird sie freilich selbst Christin, schwerlichaus viel tieferer Empfindung als der Maler, den wenigstens seineKunst nach Rom geleitet hatte.
Eines aber hatte Wach die Berliner gelehrt: ohne sorgfältigereNaturbeobachtnng geht es in der Kuust nicht weiter! Schadowführte sie in seine akademische Schule ein. Es gelang ihm da-durch ebenso wie Cornelius durch die Große seines ganzen Wesens,durch seine überwiegende Persönlichkeit, die Schüler für sich zu be-geistern, und zwar ohne daß er sie überragt Hütte. Man lese dieFestrede von Julius Hübner bei der Enthüllung seines Denk-males 1869, um zu scheu, wie verehrungsvoll die Schüler an ihn?und seiner Lehrart hingen; freilich verteidigt Hübner schon seineeigene Stelluug in dieser Rede, ist seine Begeisterung schon zu gutemTeil Abwehr. Schadows Lehrplan bietet wenig neues. Wiederder Gips, die Autike als Anfang aller Kunst; er war derMeinung, daß auch dem Landschafter durch sie geholfen werde, daßsie ihm sicher nichts schade. Dann kommt die Drappierung amGliedermann, dann der vorläufige Begriff vom Kolorieren dnrchNachmalen fremder Skizzen. Das heißt alles zusammen: Zu-nächst muß die Schönheitsmanier gelernt werden, ehe der Künstlerdie Natur sieht. Nun soll er komponieren, zeichnerische Entwürfezu Bilderu schaffen, die einen rein poetischen Erguß darstellen sollen.Zu diesem siud nachträglich, und das ist Cornelius gegenüber die großeNeuerung, Modelle zu suchen, an welchen zu prüfen ist, ob der Menschfähig sei, die im Entwurf gewählte Stelluug einzunehmen. Die Wahlder Modelle ist schwierig; wie Wenige vermögen den „ideeierten