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Charakter" vorzustellen, wie Wenigen ist eine gnte Haltung ab-zuzwingen. Endlich wird die Farbenskizze gemacht, um Verteilungvon Licht uud Schatten, Farbe und Ton festzustellen und diesewird wieder durch Skizzeu au der Natur auf ihre Durchführbar-keit geprüft: Zweite wichtige Neuerung! Schadow hat dies allesin einer eingehenden Denkschrift niedergelegt, giebt also volle Klar-heit über seine Lehrart.
Es ist ein höchst wunderliches Vorgehen, das nur aus derganzen Auffassung der Kuust begreiflich wird. Für Schadow ist eingutes Bild die Verwirklichung eines Gedanken in Form nnd Farbe.Das ist das Ergebnis von Schellings Lehre, nach welcher die schöneForm nur insofern Wert habe, als sie Ausdruck des Inhaltes sei;sonst wirke sie nur als Sinnenreiz. Die Ansicht trat in Düssel-dorf in Wirkung, daß Werke, die ihren Anfang von der Formgenommen haben, statt des Vollendeten, Wesentlichen, Letzten, nureine unausfüllbare Leere geben müßten; daß an ihnen das Wnnderausbleibe, welches das Bedingte zum Unbedingten, das Menschlichezum Göttlichen erhebe. Schadow riet daher auch dem Beschauer, demKritiker im Bilde zunächst den Gedanken zn suchen, uud zwar beimSublimen wie beim Gemeinen, ja selbst beim Bildnis als dem ge-meinsten, weil fast Gedankenlosen. Ohne Gedanken ist das Bildwertlos, der Gedanke ist der höchste Maßstab für seine Bedeutung.Das giebt denn auch die Erklärung dafür, daß auch Schadow vonLandschaft und Genre wenig wissen wollte als von gedankenarmen,also gemeinen Künsten. Dann sollte der Beschauer darauf sehen,ob im Bilde der Gedanke dem Gegenstande entspreche, ob Situationenund Charaktere richtig genommen seien. Man erkennt also deutlich,daß sich Schadow eiu Bild nur als Darstellung eines vorherschon fertigen Gedankens erklären konnte. Er stand also zumGedanken wie der Schauspieler zur Rolle, im besten Fall wie derSchauspieler, der die selbst gedichtete Rolle giebt. Es ist keinWunder, daß man einem der besten Schüler Schadows, TheodorHildebrandt , geradezu nachrühmte, er habe zu seinem König Lear seineStudien am Schauspieler Ludwig Devrient gemacht. Düsseldorf wurde zu einer Pflegestütte des gesellschaftlichen Spieles der Leben-den Bilder. Malten die Künstler doch solche, hatten sie doch die
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