sei in Rom das Naturstudium als schädlich bald wieder salleugelassen worden. So tadelt Schadow. Er aber und seine Schnleließen sich die Mühe nicht verdrießen, sie überarbeiteten die Skizzeso lange, bis sie ins Bild Paßte, bis aus der Krücke ein handlicherStecken geworden war. Man lese in Raczynskis Buch die Liste jener,die unter Schadows Leitung 1834 arbeiteten. Unter den 39 sindfast nur Namen, die in der Folgezeit mit Ehren genannt wurden,und die noch heute in der Kunstgeschichte fortgeschleppt werden.So hat unverkennbar die Krücke die Künstler gut gestützt, ihueudas Laufen ganz außerordentlich erleichtert und sie zu einer Gleich-artigkeit im Wandel gebracht, daß sie gegenseitig ihre Werke mitder aufrichtigsten und ehrlichsten Bewunderung betrachteten. Siehatten neben dem großen Gedanken und der erhabenen Zeichnungnun auch die Form uud Farbe der Natur, die Wahrheit, soweitdiese einem höher Denkenden zu gestatten sei. Damit waren sieendlich auf der Hohe italienischer Vollendung angelangt. Riefdoch ihr Lehrer und Führer Schadow selbst mit lauter Stimmeweit hinaus, daß seit Rafael und Michelangelo nichts besseresgemacht worden sei als des blutjungen Berliner BankiersohnesEdnard Bendemann Jeremias, nichts, das mehr Adel und einenreineren Geschmack verkünde. Das hatte seine unverkennbare Spitzegegen den Alten in München , gegen Cornelius, der die Natur nichtgenng kannte uud sie daher in Acht und Bann that. Die Kritikstimmte freudig in Schadows Ruf ein. Die Dichter fingen an,aus den Gemälden Geschichten heranszulesen. Nicht nur dasDargestellte, sondern über dieses hinaus der fernere geistige Zu-sammenhang beschäftigte die Geister. Was habe ich mir hier vorden: Bilde zu denken? war die Frage des fleißigen Beschauers; dennVergangenheit uud Zukuuft sollte, der Regeln G. E. Lessiug alter ein-gedenk, im Kunstwerke mit zur Klarheit kommen. Ja man liebte es,statt der eigentlichen Handlung die Wirkung dieser, ihren Wider-klang in den Gemütern vorzuführen, somit ans dem Drama indie Lyrik hinüberlenkend, die vor allem als poetisch galt. Das ist's,was K. F. Lessing , der Maler, in Uhlands Schloß am Meer, fand,was die Darstellung Klagender, vom Schicksal Überwundener beliebtmachte. NhlaudS Gedicht ist noch in aller Gedächtnis, K. F. Lessings
Druckschrift
Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
Seite
245
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