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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Verhältnis zur englischen Sittenmalerei.

Romantische Baukunst. 253

zeigt, hat verzweifelte Ähnlichkeit mit dem von C. R. Leslie, demMaler, der jenseits des Kanals den Don Quixote und andereGestalten der Dichtung, namentlich auch den Falstaff behandelte:W. Mulready und G. S. Newton und viele andere in England kannman als Deutscher nicht wohl ansehen, ohne unmittelbar an die Düssel-dorfer gemahnt zu werden, die aber jünger sind als ihre englischenGeistesvettern. Unter dem still eingreifenden Vorbilde Englands entwandt sich Düsseldorf dem Einfluß seiues Direktors, fiel es von derhohen Kunst zu einer volkstümlicheren, von der vorzugsweise zeichneri-schen, zu einer malerischen, vou der großen Überlieferung des Carstensund den Grundsätzen Winckelmauns zu einer Art ab, die in letzterLinie wieder an den alten Holländer anknüpfte, wieder nach dermalerischen Vollendung suchte, die den alten Niederländern Freundeund Käufer trotz aller ästhetischen Verketzerung treu erhalteu hatte.Es half Schadow nichts, daß er seineu ganzen Einfluß einsetzte,nm seine Schule von den fremden Plattheiten fern zu halten;die Zeit der Dorfgeschichten war nicht aufzuhalten, der endlicheRückschlag gegen die idealistische Überreizung, die Sehnsucht nachNatnr uud Natürlichkeit brach das akademische Gesetz.

Nicht viel anders stand es mit der Landschaft, nicht andersmit der Baukunst.

Seit Goethes Trompetenstoß für das Straßburger Münster war die Begeisternug für die mittelalterliche Baukunst bald hierund da wieder aufgetreten. Als Georg Förster den Kölner Dom 1790 betrat, überwältigte ihn der Eindruck einer majestätischenEinfalt, welche alle Vorstellungen übertreffe. Ein wunderlicherAusspruch! Sah Forster wirklich Einfalt in der Gotik, derenVielförmigkeit damals die Welt noch abstieß? Oder hatte der Klangdes Wortes ihm nur das Ohr berührt, während der Geist die Formeluicht sand um das Entzücken des Auges zu erklären? Läßt sichdas Unermeßliche des Weltalls nicht im beschränkten Ranm ver-sinnlichen, sagt er dann weiter, so liegt in dem kühnen Empor-streben des Baues doch das Unaufhaltsame, welches die Einbildungs-kraft so leicht in das Grenzenlose verlängert. Er sieht hier dasZeugnis dafür, daß die schöpferische Kraft im Menschen, die eineneinzelnen Gedanken bis auf das Äußere verfolgt, auch auf diesem