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VI. Die historische Schule.
nicht die Vaterlandsliebe, warum nicht auch die zur sächsischenoder bayerischen Heimat, ja selbst zum Kleinstaate? Riegel haßteden Partikulnrismns, er war der Meinung, daß nur seiue ArtVaterlandsliebe, die ins Große gehende, künstlerische Berechtigunghabe. Es ist dieses Übertragen des öffentlichen Tageslebens gewißein köstliches Denkmal zugleich idealistischer Kunstauffassung: Derpolitische Gegner kann kein gutes Bild malen, denn seine Politikist falsch. Hiuter diesem Gedanken lauert aber wieder die Fremd-brüderlichkeit. Wer hätte einem Künstler verargt, hätte er dieVaterlandsliebe eines Bürgers von Albalonga im Kampf gegenRom , der Cnriatier gegen die Horatier geschildert? Und Albalongaist nicht größer als Bayern oder Sachsen, nicht bedeutender für dieWeltgeschichte gewesen. Aber jenes ist idealer, dieses praktischerGeist; jenes Vorwurf echter Kunst, dieses verwerflicher Sonder-patriotismus. Durch welchen Wust von klassischer Beschränktheit,nun sogar von Hineintragen der Politik in die Ästhetik hatte sichdie Kuust durchzuarbeiten! Und daß sie endlich doch durchdrang,ist das Verdienst auch jener Maler, die erst die Freiheitskriege,dann die miterlebten Schiachten darstellten. Mir will scheinen,daß die Bilder von Ludwig Albrecht Schuster, welche die Kämpfesächsischer Trnppeu bei Borodino oder Jena behandeln, nicht alsKunstwerke danach beurteilt werden können, ob die Politik derFürsten richtig war, die sie hier gegen, dort für Napoleon fechtenließen. Wenn die Bilder nur so tresflich sind wie die Schusters.Und ebenso steht's mit Adams Bildern in München .
Karl Bleibtreu rühmt an seines Vaters Bildern mit Recht —wenigstens bei einzelnen — das Erfassen des großen Aligenblicks.Das war eine entschieden künstlerische That, denn vorher wußteman nicht diesen Augenblick in den Massenschlachten unserer Zeitmalerisch zu erkennen.
Der modernen Form der Kriegführung fehlt eS an allerkünstlerischen Idealität, sagt Bischer. Es fehlt ihr die Spitze derEntscheidung im unmittelbaren Zusammenstoß der Führer. Durchdie Mechanisierung des Krieges wirke bei ihnen mir die Einsichtnicht das sinnliche Mitthnn, dieser in aller Knnst wesentliche Teil.Daher fehlt dem modernen Schlachtcnbild so viel zum geschicht-