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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Der Inhalt des Schlachtenbildes.

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lichen Gemälde. Wie anders stellte sich damals den Künstlern dasMittelalter, die Antike entgegen: die Könige und Helden selbstschwangen das Schwert, starben und siegten mit Einsetzung dereigenen Kraft. Das war dramatisch, so kämpfte und starb manans der Bühne. Der Edelsinn, der Heldengeist konnte so mit derThat vereinigt dargestellt werden. Aber jetzt: der Feldherr aufstillstehendem Roß, höchstens mit dem Arm befehlend in die Ferneweisend, iu der die Entscheidung liegt; die Truppen als Masse, alsein taktischer Haufe, nicht als tragische Einzelgestaltcn.

Das Perdienst der neueu Schlachtenmaler und nicht zumkleinsten Maße Bleibtrcus ist, das Geschichtsbild mit der Schlachtversöhnt zn haben. Sein Sohn stellt des Vaters Arbeiten deshalbüber diejenigen Detailles und Neuvilles, der französischen Schlachten-maler, die nur nebensächliche Porgänge Schlachtengenrevergegenwärtigen. Er verteidigt sie von dem Standpunkte, den erals Geschichtschreiber der Schlachten einnimmt, als einer, derseinem Pater gleich thut an Wucht im Porbeistürmen des Massen-ringens. Auch bei ihm soll der Schlachtenbericht ein Kunstwerk sein.Und dabei ein wahrheitliches. Sein Pater war 1864, 1866, 1870dabei, er hat das Schlachtengelvühl gesehen, er hat es wahr ge-schildert. Aber er hat es in den reinen Einklang schöngegliedertenLinienansbaues zu bringen gesucht. Ist das ein Verdienst? Ist esein Fehler? Widerspricht nicht die Komposition, die dem Be-schauer sich aufdrängende Erkenntnis, daß jede Gestalt das Gliedeines durch die Bewegung sich ändernden künstlerischen Aufbauesist, gerade der Absicht, das Bild einer bewegten, einer stürmischregellos dahindonnernden Schlacht zu geben? Die großen Meister,die man als Porbild feierte, Michelangelo, Lionardo hatten ja auchnurSchlachtengenre" gegeben, Einzelkämpfe. Jetzt malte man dieSchlacht in ihrem größten Znge. Und man wollte der Linie,dem Menschenaufbau doch noch die alte Bedeutung lassen wie da-mals, da der bewegte einzelne Mensch das Ziel der Kunst dar-stellte. Man wollte Schönheit auch hier, mau wollte einen Helden-mut, der nicht bloß auf deu Sieg, sondern auch ans die ästhetischeWirkung seiner Körperhaltung im Kampfe Rücksicht nahm. DieZeiten ändern sich! Börne schildert noch eine Schlacht im pol-