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Schlachtenbildern feierten, hatten sie schon vorher in der Geschichtegesucht: Ein Edles, Schönes verfolgt, vernichtet von roher Gewalt,das ist französische Nomautik. Sie hat zu der das ganze Volkbegeisternden Poesie der Niederlage, der in der Schlacht, wie derim Kampfe des Lebens geführt. Ohne Sednn wäre Zola undenkbar.
Der Mittelpunkt französischen Einflusses in Deutschland warBerlin. Karl Wilhelm Wach war der erste, der schon 1816 dieDeutscheu auf die Sorgsamkeit der Franzosen und ihre Geuauig-keit im Studium der Natur und der alten Denkmale hinwies, zweiJahre nach Waterloo, der dann in Berlin seine akademische Werk-stätte nach ausgesprochen Pariser Grundsätzen einrichtete. Die Art
pi-img., d. h. ohne Nntermalnngen kräftig in der Farbe, imEffekt zu malen, vortreffliche Studieu ganzer Fignreu iu wenigTagen sicher und klar hinzustellen, ahmte er mit seinen zahlreichenSchüleru nach. Wohl warfen die gedankenschwangeren deutscheuKünstler ihm Mangel an geistigem Inhalt vor, wohl wurde er raschvon Nachstrebenden überholt, aber seine Anregung war nichtwieder zu überwinden. Seine Schüler konuten zwar nicht ein starkes,selbständiges Dasein führen, nahmen von der deutschen Kunst auf,was sie in ihren ziemlich dürftigen Betrieben verwerten konnten,aber sie bereiteten doch neuen Pariser Anregungen den Boden. Imgleichen Sinne wirkte Karl Begas, dessen Lehre bei Gros in Paris der Krieg von 1814 nur kurze Zeit unterbrach. Es ist erstaunlich,wie unausgebildet das Nationalgefühl in jeuer Zeit uoch war,daß es deu jungeu Preußeu ohne alle Bedenken möglich war, inder Hauptstadt des geschlagenen Feindes Lehre zu suchen. Freilichhielt bei Begas die französische Art weniger kräftig Stich, er neigtesich bald den deutschen Prärafaeliteu zu, ohne jedoch das Über-gewicht im malerischen Können aufzugeben und die sinnige Tiefejener zu erreichen; bis der allgemeine Umschwung auch ihn wiederdem erneuten Anschluß an das anfangs Erstrebte zuführte. SeinEinfluß als Lehrer ist aber für die folgende Knnstentwickelung inBerlin von Bedeutung gewesen. Aus Wachs und Begas Schulegiugen die Maler hervor, welche die Volleuduug ihrer Ausbildungnun regelmäßig in Paris suchten, sobald ihre Verhältnisse dies nurimmer erlaubten.