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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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351
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Die Berliner Geschichtsnmlerei, Belgische Einflüsse. 351

eine Eigentümlichkeit Berlins sei. Die Nüchternheit der Anschauungals das bezeichnend Preußische, Berlinerische trage die Schuld daran,daß die ideale Malerei und mit ihr der große Stil in Berlin nurein kümmerliches Dasein fristete, daß sich Bildnis und Sittenmalereizu einer so ausnehmend hoheu Blüte entfalteten, daß sich hier soviele eigenartigen Künstlerpersönlichkeiten entwickelten, wie nur nochin Paris .

So schrieb der Berliner , in einer Zeit (1879), in der derGlanz der dortigen Malerschnle unangefochten war; ebenso äußertenoch 1896 Anton von Werner in einer Festrede bei der zwei-hundertjährigen Jubelfeier des Bestehens der Akademie, derenDirektor er seit 1875 ist. Jene Gruppe Berliner Künstler, diein den vierziger und fünfziger Jahren in Paris die handwerklicheAusbildung gesucht hatte, sei viel größer als man glaube. Wernernennt Julius Schrader, Karl Becker, L. Knaus, Karl Steffeck ,Gustav Richter, B. Plockhorst, Gustav Spangenberg , Nud. Henne-berg, Wilh. Gentz, E. Ewald, Hoguet, Krans, Vreitbach, Diesfen-bach, Otto Heyden, A. von Hehden, sich selbst, Fritz Werner, PaulMeyerheim, Nathaniel Sichel, Theodor Weber und, so fügt er mitRecht hinzu, viele andere! Er Hütte bequemer die Künstler Berlins namentlich aufführen können, die zu Ansehen kamen, ohne in Paris ihre Ausbildung erhalten zu haben. Uuerwähut sind ja auch diezahlreichen Künstler, die sich, als es sich darum handelte, malen zulernen, ihr Können und Wissen bei Wappers , de Kayser, Gallaitde Biefve und Leys in Belgien holten. Es wäre Thorheit, sagteWerner 1895, wenn wir heute verkennen wollten, welchen Schrittvorwärts damals die deutsche Malerei mit der Anleihe in Parisund Antwerpen gethan hat. Dorther holten sie sich eine sichereGrundlage für das ganze Leben, daS Können. Es ist nicht ohneHeiterkeit zn sehen, wie Werner, von der Trefflichkeit der vonihm neu eingerichteten Akademie überzeugt, eifrig deren Verdienstefeiert und sehr böse darüber wird, wenn Jüngere ihm mit derMünze heimzahlen, die er einst gegen die Alten so sreigiebig hin-auswarf. Wenngleich die Mittel der Akademie wuchsen, ihre Be-deutung für die Kunst ist unter Werner schwerlich gestiegen. Ausder elenden Berliner Akademie, sagte 1887 der Maler Stauffer