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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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357
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Verhältnis zur Kritik. Münchener Geschichtsnmlerei, Pilott), 357

des Gegenstandes ästhetischen Ausdruck finde. Es erhob sich mitjedem neuen Bilde der Franzosen , Belgier und der ihnen folgendenDeutschen der Aufschrei, daß man nun am Ende der Realistiksei, daß mit dem Fortschreiten die schönheitliche Wirkung desBildes zerstört werdeu müsse, da es nnn einfach gegen den guteuGeschmack verstoße. Aber rasch beruhigten sich diese Schmerzender Ästhetik. Die gefälligste der Wissenschaften zog eben ihre Gesetzeetwas in die Länge, daß anch der neue Realismus in ihnen beanemeuPlatz fand; die Kunstgelehrteu wnreu alsbald mit Belegstellen zurHand, daß dieser und jener Meister zu irgeud einer Zeit Ähnlicheserstrebt und erreicht habe. Und so war wieder ein Fortschritt inder Knnst errungen, die Kunstkritiker waren desseu sicher, daß ihrGekläff von gestern morgen wieder vergessen sein werde; sie sahensich um, ob uicht eiue audere Kutsche aus der Landstraße daherkam, an der sie die Kraft ihrer Lungen üben könnten. Und wennsie jenseits des Hügels wieder verschwand, zogen sie sich mit frohemSchwanzwedeln in ihr Hundehüuschen zurück: wieder eiueu in dieFlucht geschlagen! Blieb er aber stehen, so leckten sie ihm dieHände: Du gehörst ja zu uus uud hast doch wohl eiu Würstchenfür uns in der Tasche! Wieder eineu entdeckt!

In Leipziger Familien erhielten sich Bildnisse, die der Trügerder Koloristik in München, Karl Piloty , dort 1849 als jungerMann malte. Sie scheinen mir von besonderem Werte, weil manaus ihnen die Anfänge seines Schaffens erkennt. Schon dortunterschied sich seine Art sehr merklich von der akademischenKuust jener Zeit. Sie schafft weicher, tonreicher, mit einem Hin-blick auf Correggio . Pilotys Vater war Laugers Schüler, des-jenigen Lehrers, der die Kunst des Maleus in Deutschland auf-recht erhalten wollte. Er war von italienischer Herkunft, Genosseder Riedel, Jacobs, Wiuterhalter. Er gehörte also iu den Kreisjener, welche man damals als Modemaler verhöhnte, weil sieDinge schufen, dereu Gefälligkeit deu Käufer aulocke. Der echteKünstler schafft stilvoll, ohne um die Menge sich zu kümmern; dieSchüler Langers, die Realisten, schufeu stillos, uur nach demGeschmack des ungebildeten gemeinen oder vornehmen Pöbels! Solautete das allgemeine Urteil. Wer aber, wie Friedrich Pecht , in