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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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VI. Die historische Schule.

ihre Werkstätten blicken konnte, der wußte, welcher Fleiß, welcheMühe daran gewendet wnrde, die einfachsten Grundregeln der far-bigen Darstellung festzuhalten, neue zu finden; bis zu welchem Tief-stand des Könnens gerade durch Cornelius die Kunst in einem Landegekommen war, in dem ein hellfarbiges, lustiges Schaffen ein Jahr-hundert früher uoch alle Kircheumanern, ja die Außenseite derHänser mit frischen, lebenslustigen Fresken gefüllt hatte. Corneliuswar natürlich gegen den Auszug nach Paris . Als er selbst 1838dort war, sagte er zu dem Schlachtenmaler Feodor Dietz : GlaubenSie mir, es ist nichts hier, und gehen Sie wieder nach München zurück!

Der Unterschied zwischen den jungen Realisten in München undden Berlinern war, daß die Münchner, wie die Düsseldorfer, vielmehr Eigenes einzusetzen hatten. Sie gingen daran, die Galeriendanach zu Rate zu ziehen, wie man zu malen habe. Cornelius hatteimmer vor den Alten gewarnt, und selbst der Franzose Ingres hielt sich stets die Hand vor die Augen, wenn er bei einem Rubens vorbeiging. Sie wollten in ihrem Gefühl, die rechte Kunst zu be-sitzen, durch die berückende,? Einflüsse Fremder nicht gestört werden.Der Aufstand der Jungeu in München begann ans den: verbotenenUmgange mit den Alten, den Koloristen vergangener Zeit, undwurde uuter deren Schutz zum Siege geführt. Karl PilotysVater war eiu eifriger Zeichner für den jungen Steindruck; er hattesich mit anderen vereint, die Gemälde der Pinakothek in München mit Hilfe dieser Knnst zu vervielfältigen: er hatte sich bei dieserArbeit iu Rubens, in die Niederländer und Spanier hineingesehen.Bisher waren die Umrißstiche beliebt gewesen als Ersatz für densehr teueren Linienstich. Jetzt wurden diese auf Stein gezeichnetenBlätter bevorzugt, weil sie billig wareu uud doch mehr Ton boten alsdie feierliche Vornehmheit und glatte Sauberkeit der großen Knpfer-stichknnst. Auch diese war zu eiuem höheren Schönschreibestil herab-gesunken. Jahrzehnte bastelte der Stecher an einem Blatte, dasmehr ein Werk der Geduld als der Kunst werden mußte und nichtandere als handwerkliche Eigenschaften erlangen konnte. So kamden Steindruck den jungen Malern zu paß, als es galt, aus denAlteu wieder die Natur erkennen zu lerueu. Der juuge Piloty