Moderne Ablehnung.
367
Hebung. Und zwar wird es dies sowohl in Ablehnung wie in Zustimmungder neuen Wahrheit oder Schönheit, die vom Künstler erlangt wurde.
Ich wenigstens bin unhöflich genug gegen meine Zeitgenossen,sie nicht für bessere Kenner zu halten als frühere — mich miteingeschlossen. Ich glaube nicht, daß die Kritik früher im Nebel tappte,jetzt aber in der Klarheit sitzt. Ich glaube nur, daß mau deu Nebel,in dem wir leben, erst in der Entfernnng gewahr wird und daß wirdreißig Jahre fortschreitend, erkennen werden, daß auch um uusereuStandort, uus jetzt nicht auffällig, der Nebel sich breitete. Manbestreitet jetzt der Kunst des Pilotp uud seiner Zeit, daß sie wirt-lich sei. Um darznthuu, wie gering die Rolle sein wird, welchediese Düsseldvrsereien in der Kunstgeschichte der Zukunft zu spielenhaben werden, brauchen wir, so rnft Seidlitz aus, nur im Gedankeudurch unsere modernen Gemäldegalerien zu wandern. Wie gähnenuns da die Bilder als leblose Schemen, leichenhaft in der Farbevon den Wänden au! Das sei alles totgeborene, akademische Kunst,weit mehr noch als die unserer Klassizisten, damit werde nichterzielt, was die Zeit verlange. Selbst Muther sei iu der Zurück-weisung der handwerksmäßigen Jllustrationsmalerei lange noch nichtweit genug gegangen. Eine künstige Geschichte der Malerei werde,davon ist Seidlitz überzeugt, diese ganze Richtung auf das Un-natürliche, ebenso wie die Verfallperioden der früheren Jahr-hunderte, einfach mit ein paar Worten abthun. Ihm beginnt fürDeutschland mit Uhde, Liebermann die neue Kunst, die nur iu derfrüheren Entwickelungsstufe der deutschen Prärafaeliteu und iuwenigen Mittelsmännern Vorläufer hat.
Ich habe mich in Seidlitz' uud auch in Mnthers Buch vergeb-lich nach einer anderen Begründnng dieser Ansicht umgesehen, alsdaß Seidlitz sagt: die Bilder seien leblose Schemen. Das kanngesagt, aber nicht bewiesen werden. Mir ist, als habe ich das Wortnicht hier zuerst gelesen: Leblose Schemen waren für PilotyKaulbachs Bilder, für Kaulbach die des Cornelius, für Corneliusdie des David, für David die des Lebrnn, für Lebrun die desNembrandt, für Rembrandt die des Heemskerk und Wohl auch desRafael, für Heemskerk die des Botticelli . Doch wozu den kunst-geschichtlichen Witz ins Endlose spinnen!