Makart.
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fanden, wo dies eine wirkungsvolle, gut zusammengehende Farben-hannonie umrahmte. Und nun versuchte man, in den schönenFleck menschliche Gestalten hineinzuzeichnen und endlich einen Sinnsür diese zu finden, den Gedanken. Es wäre Thorheit, wollte manglauben, daß dies der einzige Weg gewesen sei, ans dem dieSchiller zum Erfassen ihrer Bilder gelangt wären. Aber schondie Versuche nach dieser Art sind für die Schüler und ihre kolo-ristische Denkweise bezechnend.
Im Vergleich zum alten Idealismus ist diese Auffassung er-heblich künstlerischer. Als der eigentliche Gedanke wird der malerischeFleck, die schmückende Wirkung des Bildes betrachtet. Dies ist alsein Sinnliches begriffen, dessen Ziel die Erfreuung des Anges durcheinen farbigen Reiz bildet. Die künstlerische Seite ist das Innerstedes Bildes, die gegenständliche das Äußere, ganz im Gegensatz zuder alten Schule, bei der die Kunst nur der Mantel um den Ge-danken war. Hier, und namentlich bei Makart umgekehrt: DerGedanke ist der oft sehr fadenscheinige Mantel um die Hauptsache,um das Gemälde.
Wieuer Freunde, die zu Makarts Blütezeit in seiner Werk-stätte verkehrten, erzählten mir, daß er nur zu oft bei einem halb-fertigen Bilde noch nicht recht gewußt habe, was es darstelle; daßdie Namen der fertigen Bilder selten von ihm selbst, sondern vongeschichtskundigen Besuchern ausgewählt seien. Er steht somit imGegensatz zu jenen, die deu Inhalt eines Bildes fertig im Kopfoder auf dem Papier hatten, ehe sie wußten, wie er darzustellensei, und dann von anderen Künstlern sich Rat holen mußten, wieder Inhalt in Zeichnung, wie in Farbe umzusetzen sei. Beide be-herrschten die erstrebte Aufgabe nicht ganz; aber Makart war Herrim künstlerischen, jene im idealistischen Teil; man konnte Makart vielleicht einen ungebildeten Menschen schelten, jene aber warenunkünstlerisch. Auf die eine Weise können Kunstwerke von hohemWert entstehen, und sie entstanden; aus die andere nie!
So ist Makart eine der bemerkenswertesten Erscheinungendeutscher Kunst, gerade wegen seines Mangels an litterarisch faß-barem Geist und seiner Übersülle an Farben-Vorstellungen. Die Be-geisterung für sein Schaffen war der notwendige Rückschlag gegen
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