Sinnlichkeit und Sittlichkeit.
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Naivetät, die man am jungen Mädchen rühmt. Er war einFranenfreund nnd Freund der Frauen und hat sich Wohl nicht all-zuviel durch sittliche Bedenken abhalten lassen, seinen Sinnen zufolgen. Das Weib war der Inhalt seines ganzen Wollens. Manhätte ihm eher verbieten können zu sprechen, als das Nackte zu lieben,zu bewundern, darzustellen, seiner Sehnsucht nach sarbiger Prachtzu dieuen. Es sprach aus ihm ein künstlerisches Naturbedürfnis,das sich ohne alle Umschweife so gab, wie der innere Trieb esforderte, sich so geben mußte. Nnd diese vordrängende Natur-wüchsigleit seines Schaffens warb ihm die Begeisterung der Künstlerwie der Menge. In das Wehe der Ästhetiker, die seine Pest vonFlorenz dem Inhalte nach zerpflückten, und ans diesem zu deinSchluß kamen, die Kunst des Realismus, die Schmutzmalerei seinun an ihrem letzten Ende angelangt, mischte sich lauter und lauterder Jubelruf der Begeisterung, endlich eine Kunst zu besitzen, welchedem Sinn des Auges schmeichle, berauschend schön sei.
Nnd dann erfocht Makart der deutschen Kunst, der er dasRecht der Sinnlichkeit zurückerobert hatte, noch eilten weiteren Sieg:kaum ein Zweiter überwand in so raschem Ansturm die zünftigeKritik. Obgleich sie nach fallen ihren Gründen ihn zu verurteilenhatte, mußte sie ihn nach ihrem Empfinden preisen; sie gab lieberihren Grundsätzen als ihrer Freude an seiner Farbenpracht denAbschied. Graf Raczynski sagte von einem Bilde aus seinem Besitz,er wisse zwar nicht die darauf sichtbaren Glieder nnd Köpfe an ihrerechtmäßigeu Besitzer zu verteilen, es scheine ihm der Tranm einerwüsten Orgie, er verstehe es nicht; aber er sei entzückt davon. Daswar der kluge Anssprnch eines Kenners. Die unbekchrte Kritik wollteaber verstehen, erklären, hinter den Gedanken kommen. Und dader Gedanke ein solcher war, der Wohl mit dem Pinsel, nicht abermit der Feder festgehalten werden konnte, so fand man die Bildergedankenlos; man sah in ihnen teuflische Weltlust, ebenso auf derSeite der Theologen wie der Klassizisten, welche die keusche Sinnig-keit der Alten für ihr Erbteil hielten. Überall starke, moralischeAnwandlungen! Aber endlich wurde die ueue Lehre siegreich. DieBilder sind trotz alledem schön; weg mit dem sauertöpfischen Wesen;was liegt uns daran, weitn sie in eure Ästhetik nicht passen. Das