398
VI. Die historische Schule
Ton und Zeichnung zu vereinen, den Fernblick in seiner kräftigenModellierung und feinen Tönung, die Hebungen uud Senkungendes Bodens in Lichtwirkung und Zeichnuug festzuhalten, den Duftoder die Klarheit Italiens mit seiner Formenstrenge zu verbinden.Alle damals in Italien weilenden Mater liebten es, den Abend undden Herbst darzustellen, denn die beiden gaben der Natur jeuenBrannton, den sie anstrebten. Völlig verpönt war das leuchtendeGrün. Der deutsche Frühling war für sie eine malerische Unmöglichkeit,wie seine Farben auch der ganzen Pilotyschnle fehlen. Die kunst-geschichtliche Entwickelung der Malerei hatte in allen Gebieten aufdeu braunen Grundton der Bilder geführt. Man sah die hellereFärbung, wie sie fast allein die Hamburger ausrecht erhalten hatten,als eine veraltete, harte, kalte an. Künstler und Knnstfreunde ge-wöhnten das Ange an den tieferen Ton, fanden von nun an diesenvorzugsweise iu der Natur, namentlich dort, wo ihnen die Naturmalerisch erschien. Der Kreis schönheitlichen Empfindens war da-mit geschlossen: Man hatte einen festen Begriff idealer Landschaftdnrch die Kunst aufgestellt, suchte iu der Natur das diesem Ent-sprechenden nnd einPfand mir dieses Wiedergefundene als künstlerischschön. Natur uud Kuust bestätigten sich gegenseitig. Die eigen-tümliche Mischling von braunen Halden und bläulichen Schatteniil den Bergen der oberitalienischen Seen oder des Volskerlandes,das warme Braun des dürreu Grases der Campagna, das PrickelndeAbendlicht in den graugrünen Oliven, diese im Bild so beliebtenTöne waren alle wirklich da in der Natnr. Man soll nicht glauben,daß diese Bilder nicht wahr seien. Ich wenigstens, der ich michdarauf drillte, die Welt mit Maleraugen zn sehen, habe sie alle znmeiner herzlichsten Frende in Italien wiedergefunden. Aber jeneDrillnng besteht darin, das; ich nicht mit eines, sondern mit ver-schiedener Maler Angeil zu sehen versuche und, wie nur scheint,auch lernte. Weil dem so ist, kann ich selbst auch nichts macheu,ist aus mir ein schlechter Künstler geworden; bin ich auf die Kunst-kritik hingewiesen, so klippenreich sie mir auch scheint. Wohl ist dieBegeist rung für den brauneren Südeil, das Brauilseheil überhaupteine Einseitigkeit, schließlich eine Verbindung des Auges. MeiuVater hat später oft bedauert, nach Italien, nach Dalmatien , nach