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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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VI. Die historische Schule.

im ganzen günstig ans. Titus Nllrich, ein einflußreicher BerlinerKritiker, nannte die Stimmung seiner geistreichen Bilder ganz unver-gleichlich natnrtren nnd mysteriös zugleich. Julius Meyer, der da-mals mitten im Münchener Künstlerkreise lebte, feierte den Künstlernamentlich.um der Landschaften willen, die im Beschauer, die demMaler eigene träumerische Empfindung erregen. Aber er erschricktschon vor der anwachsenden Abenteuerlichkeit; dem Barocken derStaffage, die die Landschaft nicht einfach begleite, sondern von sichans bestimme; Böcklin führe in eine fremdartige, unwirtliche Natur,er reiße ein Stück aus dieser heraus, dem die rnhige Wirkung sehle.Anch Pecht, desseu Urteil sich vollends mit dem der damaligenMünchener Künstler decken dürfte, meint, das stark dämonische Elementin Böcklins Bildern fei französischer Herknnst, klagt noch 1888 überdie barocke Form seiner späteren Bilder, die nach und nach ganzungenießbar geworden seien. Graf Schack, der 1859 Böcklin nahetrat, rühmt seine Originalität. Obgleich diese keineswegs zn den not-wendigen Eigenschaften eines bedeutenden Künstlers gehöre, müsse erdoch Böckliu dieses Epithet beilegen. Er findet, daß der Künstler vonPonssin ausging, aber aus der Phantasie der Griechen schuf; daß er inseinen frühen Bildern, uud das feien seine besten, nicht auf eigenenFüßen stehe. Auch er weicht vor Böcklius späterer Entwickelungzurück. Das bewies sein Verhältnis zu dem jetzt in Dresden befind-lichen Frühlingsreigen, den Schack als mißraten zurückwies. FranzNeber fand noch 1876, daß, ehe man sich eruft mit Böcklin beschäftige,man warten müsse, bis er das Stadium des Experiments über-wunden, das rechte Maß gefunden habe. Reber selbst hatte diesschon längst in pflichtmäßigem Besitz, denn er war Professor derKunstgeschichte.

Auch Böcklin und neben ihm Thoma fanden das rechte Maß.Es sah freilich gauz anders aus, als ihre Gönner uud Nichtgöuuermeiuteu. Sie überwanden die Schule und wurden selbstgerechteKünstler.

Die Bildhauerei hat zwei Aufgaben vor allein gepflegt: dasBildnis in Form der freistehenden Statue und das antikisierendeSittenbild.

Die Statue ist ihr zum wahre» Unheil geworden. Ganz Deutsch -