Druckschrift 
Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
Entstehung
Seite
405
Einzelbild herunterladen
 

Böcklins Anfänge. 405

dichterischer Auffassung, so erkennt man deutlich, daß Böcklin einSohn der alten, jetzt so verhöhnten historischen Landschaft ist.

Erst zu Eude der fünfziger Jahre wurde man auf ihn auf-merksam. Die Münchener Künstler begannen sich mit ihm zu be-schäftigen. Das Jahr 1860 war für ihn entscheidend. Plötzlichwaren aller Augen auf ihn gerichtet. Er wußte die alten Sagenin die italienische Landschaft hinein zu dichten, aber nicht indem erdie fertigen Gebilden in eine malerische Heimstatte stellte uud nichtindem er für eine Gegend die passenden Leute aussuchte, sonderndurch einen eigentümlichen Vorgang des Gebarens beider Bestand-teile seiner Bilder aus einem Wurf. Einem so feinen Beobachter wieBischer entging die Bedeutung des Meisters nicht. Böcklins Pan, seineverliebte Faune, sagt er, sind überzeugend, lebensvoll, stimmungsreichgegeben, so daß man den Seelenvorgang, der solche Phantasiebilderder Alten, solche dunkle mystische Vorstellungen erzeugte, angesichtsder Bilder leicht und schnell in sich ^wiederholt. Die einsame, wildeBerghöhe stimmt gespenstisch, und irgend ein Laut, ein Schall in derWildnis vergrößert sich der scheu gewordenen Einbildung zumgeisterhaften Ruf einer dunkel geahnten Naturgottheit. Deuuochbleiben für Bischer die Bilder geniale Specialitäten. Böcklin , sagter, will nicht bloß Landschafter sein, er ist ein Dichter, er willerzählen. Im Vereinen beider Kräfte entsteht ein zwischen Land-schaft, menschlichein oder mythischem Lebensbild schwankendes Ganzes;es ist sowohl dies wie jenes, eben darum aber weder dies, nochjenes. So urteilte der Ästhetiker alter Schule.

Böcklins Entwickelung gab ihm in dieser Ausführung recht.Er wurde vorwiegend eines: der Erzähler. Er trennte später zu-meist Landschaft und Figur, indem er einem von beiden das Über-gewicht gab. Im Grunde genommen hielt man zu jener ZeitBöcklin nur für eine wilde Hummel im Blumengarten der deutscheuKunst, über deren Summeu sich die Leute von Laune freuten, dieErnsten und Besonnenen ärgerten. Die Düsseldorfer sahen in seinemPan den Pariser Realismus vou Courbet und Genossen, eine ruppige,struppige Natnr in ruppiger, struppiger Weise dargestellt Mode-kunst, die zum Glück nur so lauge währt wie die Mode. Dassiud aber vereinzelte Stimmen. Die Kritik nahm Böcklin damals