Barocke Anklänge.
— Die Bewegung in der Bildnerei.
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die Giebelfiguren des Parthenon sprachen nicht zu ihm. Alleswas selbständig, frisch, ankämpfend war, worin sich ein Drängenund Ringen zeigte, stieß ihn ab. Das Fertige, AbgeschlosseneEndende, Absterbende allein war die Kumt, in die er seine zahl-reichen Schüler fährte.
Eins fehlt der deutschen Bildnerei infolge der akademischenRichtung fast ganz, nämlich das Leidenschaftliche, nicht nur innerlichBewegte. Dem widersprach das Gesetz G. E. Lessing's und die diesausbauende Ästhetik, welche lehrte, daß dies nicht Aufgabe derBildnerei sei, die auch als in der Bewegung ruhend wirken solle.Der Anatom P. I. W. Henke bewies 1862 in seiner Schrift DieGruppe des Laokoon, daß eine im Gange befindliche Bewegungnicht bildlich darstellbar sei. Nur ein Augenblick aus dieser sei es,der des UinwendenS, des Stillstandes, wie er beim lebenden Körperzwischen zwei je in entgegengesetzter Richtung verlaufenden Be-wegungen eintritt. Es deckt sich dies mit den Anforderungen andie Darstellung des geschichtlichen Augenblicks. Er soll Vergangenheitnnd Zukunft zugleich darstellen. Ernst Brücke , der große Physio-loge, faßt diese Ansicht in dem Beispiel des Pendels zusammen.Der Augenblick des Stillstandes am Ende der jeweiligen BewegungPräge sich dem Auge am stärksten ein, in ihm sei ein Mindestmaßvon Geschwindigkeit, die Umkehrpunkte geben die Gedächnisbilderder Beweguug. Diese müsse mau festhalten, um dem Körper imkünstlerischen Gebilde den Eindruck des Bewegens zu geben. DennBeweguug selbst hat die Plastik ja nicht, eS müsse diese angedeutetwerden durch die uns vor Augeu schwebeudcu Formen, in welchensich das Bewegte dem Gedächtnis einpräge.
Zu dieseu Fragen hat die Mvmentphotographic merkwürdigeAufschlüsse gebracht. Ein rennendes Pserd bildete das 17. und18. Jahrhundert entweder so, daß es fest auf den Hinterbeinenstand und den Borderleib bei gekrümmten Beinen emporwars, oder daßes vorn aufsetzend die Hinterbeine gestreckt erhoben hielt. Erst dieenglischen Maler der Wettrennen brachten das Pferd mit allen viergestreckten Beinen auf. Die Photographie hat erwiesen, daß allediese Stellungen einfach falsch sind, hat erst den außerordentlichviel reicheren Vorgang beim Galopp aufgeklärt. Seitdem sieht der