Die Baukunst. — Die Tektoniker. — Hansen. 435
Friedrichs Hitzigs, dessen Landhäuser in der Viktoriastraßc dashelle Entzücken der Berliner bildeten. Sieht man heute das Archi-tektonische Skizzenbuch und ähnliche Veröffentlichungen durch, indenen kleinere Schmuckbauten dargestellt sind, so kaun man die Freudean ihnen bei einigem kunstgeschichtlichen Sinn sehr wohl begreifen. Essteckt wohl noch ein gilt Stück Sentimentalität in Gedanken nndDarstellung. Da sind Lauben nnd Schattengänge, von denen derBaumeister sehr wohl wußte, daß der Gärtner all das mit zierlich ge-handhabten Pinsel dargestellte Laubwerk wohl in Mentone, nicht aberin Rixdorf herauziehen könne; da ist eine Stimmung der Weichheit,der Naturschwürmerei, die etwas Anheimelndes, Liebenswürdiges hat,weuu sie auch nicht sehr echt, sicher nicht der starke Zug des Ber-liner Lebens ist. So auch jene Villen. Wer heute durch das Tier-gartenviertel geht, der bleibt wohl auch vor dem und jenem Häuscheustehen, das vor dreißig, vierzig Jahren erbaut, in seinen bescheidenenAbmessungen, seinen mit ruuden Medaillons geschmückten Putz-wänden, seinen: jonischen Giebel, seinen kleinen Akroterien und Pal-metten vor so kurzer Zeit uoch den Eindruck des vornehm Länd-lichen machte; heute aber, eingepfercht zwischen Protzenbautcu, so garfremd zu uus herüberschaut. Und doch waren diese bürgerlichenBauten die Grundlage für das gesamte Schaffen Berlins , die Poesieder Hellenen in ihnen am regsten thätig. Die Villen, die der Hofin Potsdam und Umgebung ausführen ließ, sind nur Vergröße-rungen dieser Kleinbauten, wachsen mit der Abmessung nicht imGedanken, suchen wieder eine am Sinnigen sich erfreuende Schlicht-heit, entstanden aus der Empfiudung, daß Reichtum nicht glücklichmache; führten nur zu oft zu der Ansicht, daß Armut das Glück sei.
Wo größere Aufgaben von den Berlinern zu lösen waren,liebte man es, auf Schinkel zurückzugreifen, sich seiner Zustimmungin einem treuen Herzen zu versichern. Gab es doch noch geuugbegeisterte Leute, die in ihm den Höhepunkt und das einzig möglicheHeil sahen. Stracks Nationalgalerie und seiue Siegessäule geheuauf Schinkelsche Gedanken zurück!
Man betrachtete mithin von Berlin aus auch Theophil Hausen,
den Wiener Hellenen, mit Mißtrauen. Er, der Däne, hatte freilich vor
den meisten Berlinern eines voraus: Er kannte Griechenland , hatte
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