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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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VI. Die historische Schule.

Er fand Anfänge vor, um deren Vernichtung durch ihn undseine Ruhmesgenossen Ferstet und Schmidt es wirklich schade war.Die Architekten van der Nüll und Siceard von Siccardsburghatten ans Paris die Kenntnis der französischen Renaissance mitgebracht, sie hatten in den französischen Werken darüber weitereAufklärung gesucht. Ihr höchst geistreiches Palais Larisch ist einefeine Studie »ach dem Hotel Vogust in Dijon , echt künstlerisch,voll von sorgfältig ausgerciften Gedanken; ihr Opernhaus ist inallen Einzelheiten eine wohl durchdachte uud mit Fleiß gebildeteliebenswürdige Leistung; keil? großer Wurf wie die Pariser Oper,aber auch ohne jedes Backenaufblasen uud Beiuespreizen, das miran der ganzen Architekturbehandlung des Garnier mit jedem neuenBetrachten unangenehmer geworden ist. Man hat die beiden Wiener ,die das Zeng in sich hatten, sehr glücklich in die Entwickelungdes dortigen Schaffens einzugreifen, mit vorzeitigen kritischen An-griffen zu Tode geärgert. Die Folge war das Aufkommen Hausensund Ludwig Försters, der ein Franke Münchener Schulung war,und des Gotikers Schmidt. Ferstel, ein gebürtiger Wiener, hatmeines Ermessens das nicht ersetzt, was an seinem Lehrer Siccards-burg verloren ging.

Hansen hat erstaunlich viel gebaut. Vieles erscheint uns jetztreichlich derb, gedaukeuarm, undnrchgebitdet, ja verfehlt. Es wnrdeauf seiuer Werkstatt fleißig mit Reißschiene, Dreieck und Zirkelgearbeitet, der srei zeichnenden Hand blieb selten mehr als einOrnament, ein Säulenknanf, eine tragende Gestalt; sonst ging esscharf nach Graden nnd Kreisen, man wahrte der Geometrie ihrVorrecht in der Kunst. Die Grundrisse Hansens gingen ausseiner Haud hervor wie aus der Pistole geschossen. Eine klareAnordnung, vollendete Symmetrie, Achsen durchs ganze Hans.Das ist etwas sehr Schönes, ein so durchgebildeter Grundrißleuchtet im Entwnrf alsbald ein, giebt ein übersichtliches, demAnge wohlthuendes Bild. Auch er sollte schön sein und ist es,soweit für eine geometrische Zeichnung möglich. Alle Mittel wnrdenauf eine große, einheitliche Wirkung verwendet, jeder Bauteil insGesamtbild eiugemessen, dadurch zum Gliede des Ganzen, daßdie Achsen ein vollständiges BiereckneN über die Anlage bildeten