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VI. Die historische Schule.
den Arbeiten dieses Künstlers noch einige der schönsten Arbeiteneines anderen zn früh geschiedenen Meisters gleicher Richtung,Lners, der uns das, was die Schule leisten konnte, in bestenBeispielen vor Augeu führte. In der Villa Wedekind — dieKasselaner nennen sie, der vielfach verwendeten glasierten Ziegelwegen, die Glitzerburg — sah ich damals auch Hannoverische Innen-ausstattung von bester Art. Der Vorwurs Rcbentischs, daß wirnur allzuviel in den Grundrissen wegen der Schauseite, wegen derschönen Wirkung der Achsenlinien auf den Zeichnungsblüttern undum anderer akademischer Künste nicht so ausbildeten, wie wir es ohnediese Nebeurücksichteu gethau hätten, war ja völlig einleuchtend;ebenso wie die Versicherung, daß man in Hannover den Grundrißaus den Bedürfnissen zweckmäßig schasse, und daß die Gotik für eineGestaltung, wie sie eben aus dem Bedürfnis hervorging, die Mittelzum künstlerischen Ausbau böte. Rebentisch höhnte unsere Symmetrie,unser Streben, den Bau unter ein Hauptgesims zu zwingen, dieWillkür unserer Fassadengliederungen, während bei ihm das Be-dürfnis allein die Form bestimme; er verwarf unser Arbeiten mit„Surrogaten", unser Nachahmen des Steins in Stuck, das uns freilichvon alleu konstruktiveu Bedenken befreie. Kassel , damals eben Preußischgeworden, hatte eine Anzahl Baubcamte, die Schüler der SchinkelschenRichtung waren. Auch ihnen ging es nicht wesentlich besser als mir,der ich mich in Wien und Stuttgart auf Renaissance eingedrillthatte. Rebentisch höhnte vor allem über die „Monumentalität",mit der wir jeden Zinsbau behandelten. Und er hatte so Unrechtnicht. Die Winkel und Ecken der Hannoverischen Villa, die Aus-bildung von Giebeln und Erkern, von Türmen und offenen Hallen,die wohnlich unregelmäßige Gestaltung der Räume, das Ineinander-schieben verschiedenwertiger Gelasse, die Ausbildung des Daches zueinem wesentlichen Teil des Gebäudes, die Beweglichkeit in der ganzenAnordnung von Aufriß und Grundriß ist in Hannover znerst zuvoller Entwickelung gekommen. Man kann sich sehr wohl denken,daß, wer eine Opplersche oder Luerssche „Villa" bewohnt hatte, sichin einein „Palais" von Hansen nicht mehr wohl sühlte. Denndort war Behaglichkeit, ein kluges Abwügeu des Wechseluden Be-dürfnisses, eine Formengcbnug, die jeden Raum für seinen besonderen