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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Hannoversche Gotik. Hase.

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des mittelalterlichen Schaffens, das in der Farbe, sei es der bnntenAusmalung des Innern, fei es in geschickter Verwertung kräftiggetönter Baustoffe, sei es im Eiufügeu zweckdienlicher Kleiugcbildein die Hauptmassen liegt. Diese sollen die Massen beleben, ihneneinen wirksamen Maßstab geben, die Nebenteile zum Schmuck fürdas Ganze werden lassen. Hase folgte nur der allgemeinen Zeit-strömuug, wenn ihm der Backstein in seinen bescheidenen, gleich-mäßig durchzubildenden Maßen znr Grundlage einer bewußt be-schränkenden Regel wurde. Er erhob das Einhalten dieser Maßezum Grundsatz, die Schichtenfugen gaben ihm beim Entwurf dasNetz für alle Höhcnabmessnngen; ihnen hat sich jede Schmuckform,jede Gliederung unterzuordnen. Was die Achslinien dein klassischenGrundriß, das sollten die Ziegelfugen dem Aufban werden: stärkendesGerippe und sichere Unterlage für planmäßigen Entwurf. Er undseine Schule kamen zu einem Eifer für die Ziegelarchitektur, daßsie auch dort, wo Haustein zur Verfügung stand und den Zweckbesser erfüllte, au ihr festhielten. Ja selbst ins Innere der Räumetrugen sie den Ziegelreinban hinein.

Die künstliche Bauthätigkeit Hases hat auf die Gestaltung desprotestantischen Kircheubaues einen starken Einfluß ausgeübt. Aberauch im bürgerlichen Bauwesen machte sie sich geltend. In diesemwar neben ihm Edwin Oppler, der als Schüler Viollet-le-Ducs eineZeitlang an der Kathedrale zu Amiens thätig war, der Trüger desfranzösischen Einflusses. Er hatte seine Studien über die UmgebungHannovers hinans erstreckt nnd entwickelte eine reiche schriftstellerischeThätigkeit, vorzugsweise in kunstgewerblicher Hinsicht. Denn er wareiner der ersten, die aus Paris den Sinn sürKomfort", für einerhöhtes behagliches Wohnen, für bessere Einrichtung der Hänser heim-brachten; hier wurde er bei reichen Bauherren bald allgemein beliebt.

Als ich in Kassel in den Jahren kurz nach dem französischenKriege bei einem Baumeister thätig war, dessen beste Eigenschaft mehr für uns junge Architekten als für die Bauherren darinbestand, daß er uns machen ließ, was wir wollten, hatte ich alsSchüler Leins im Verkehr mit Rebentisch, einem der begabtestenSchüler der Hannoverischen Richtung, Gelegenheit der Verschieden-heit der Kunstauffassungen kundig zn werden. Kassel besitzt außer