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VIII, Die Kunst aus Eigenem,
das; sie den neuen malerischen Realismus ins Bild trugen, durcherhöhte farbige und zeichnerische Annäherung an die Wirklichkeitdem Gedanken neue Lebenskraft, der Geschichtsmalerei frischeresBlut zuzuführen: Peter Janssen, Arthur Kampf, HermannPrell , Fritz Nöber und andere mehr. Mir ist das Herz fürdiese Kunst versagt. Ich verstehe sie nicht. Sie scheint mirweder groß noch wahr. Aber ich höre tüchtige Leuten die An-sicht vertreten, daß sie einen Ausgleich zwischen Altem undNenem darstelle. Ich finde, daß sehr Viele sich ausrichtig anihr erfreuen. Namentlich erkenne ich deutlich die Absicht, gewissenene Erkeuntnisformen in das Bild mit einzureihen, und zwarvor allem realistische. Die Gestalten sind nach der Naturgemalt, ohne daß der einzelne Mensch ganz im Bilde so erscheint,wie er sich im Leben bewegt. Eine allgemeine Auffassung wirderstrebt, ohne die eigenartigen Formen in der Bitdung desModelles völlig zu verlassen. Die Farbe ist Heller, den thatsäch-lichen Lichtwirkungen angemessener, die Gegenstände der Geschichtesind in Kleidung, Sitte, Tracht richtiger erfaßt als srüher.Aber ich sehe — der Fehler liegt wohl au mir — immer nurKostümfeste, mit Theaterkleideru angezogene, vorzüglich geschulteStatisten. Ich wüßte nicht ein solches Geschichtsbild, das sichannähernd auf die Höhe Tiepolos erhöbe, der den modernen Malernalles das vorausnahm, was sie erstreben, außer die Absicht aufgeschichtliche Echtheit. Die Bewegungen sind die seinen, die Farbig-keit ist ihm nachgebildet. Wozu wiederholen, was vor einem Jahr-hundert schou besser gemacht ist? Ich finde den Geist wieder, dersich in den architektonischen Restaurierungen geltend macht. Durchtausendfältige Erfahrung ist bewiesen, daß wir nns niemals in denGeist der Zeiten zu versetzen vermögen, sondern daß es stets derHerren eigner Geist ist, in dem die Zeiten sich bespiegeln. Ichsehe tüchtige Maler bemüht, etwas darzustellen, was einfach nichtdarstellbar ist. Wenn Shakespeare nnd selbst wenn Schiller alteZeiten schildert, so sind sie dabei so modern, daß die Versetzung ineine Vergangenheit nicht stört. Je wissenschaftlicher diese wird, destohärter stößt die Echtheit des Äußeren sich mit der Unechtheit desInnern. Wie im historischen Roman geht der geschichtliche Wert