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VIII, Die Kunst aus Eigenem.
sördersam: die ablehnende, ausschließende Seite führt zu einer Ein-seitigkeit, die dem Künstler sehr gut, dem Kritiker und Knnst-geschichtler aber gar nicht ansteht. Denn Kunst ist nicht Erfüllungeines allgemein giltigen, sondern eines im Künstler beruhenden Ge-setzes. Hildebrand hat ein solches für viele, aber nicht für alle in-Worte und Thaten gefaßt.
Feuerbach starb 1880. Alle Versuche, seine Kunst in Deutsch-land zu größerer Geltuug zu bringen, waren mißlungen. Die.Künstler, die Kritik hatten seine Art zu seheu für falsch, seineBilder für fehlerhaft erklärt. Sie hatten immer besser gewußt, wie^die Welt darzustellen sei als er, weil sie sie anders sahen. Manempfand zwar, daß sich hier ein großes Leben einsetzte, um di>Wahrheit zu erkennen, sehen zu lernen, sehen mit seinen Augen,ohne Brille uud ohne sich in die Einzelheit zu verlieren; aberdie Wahrheit war eiue andere als die bekannte uud darum stießsie ab. Marees lebte in der Einsamkeit, vergessen. Mit Lächelnsah man auf den Mann, der für grüblerisch verbohrt erklärt wurde.Böckliu war nicht minder beiseite geschoben. Selbst Graf Schack hatte seine Bestellungen eingestellt. Er sandte ihm die Quelluympheals mißraten zurück, nannte auch die Pietö, mißlungen. AuchSchocks nie sehr starke Entschiedenheit im Geschmack für das Eigenartigeließ nach, seit selbst seine künstlerischen Berater au Böckliu irre wurden.
Die siebziger Jahre zeitigten einen neueu Böckliu. Daß er sichwandelte, das bekundet sich in dem langsamen Abfall seiner Frenndeund Beschützer, in der wachsenden Vereinsamung, in die seine Kunstihn führte. In Rom, in Florenz lebte er sich erst vollkommenaus. Noch heute giebt es viele, die wohl Böcklin I., nicht aberBöcklin II. zu würdigen wissen.
Dieser zweite Böckliu ging aus von Schirmer und Franz-Dregerund endete bei sich selbst. Bis dahin steckt noch der Geist der histo-rischen Landschaft in ihm, wenn gleich schon in höherer innerer Ver-schmelzung von Natureindruck uud Vorgang im Bilde. Nun beginnterst die starke Dichternatur sich ganz mit italienischer Farbe undSonnigkeit, mit deutschem Empfiuduugsrcichtum und innerer Vor-stellungskraft zn erfüllen. Jetzt erst wird Böcklin der große, tiefden ganzen Kreis deutschen Schaffens erschütternde Meister.