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dieser groben, faulen, fahrlässigen Kritik laut in die Welt hinaus-rief, war man ganz erstaunt über solche Unartigkciten!
In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre trat Fritz GnrlittBöcklin näher. Er war Kunsthändler; seine Absicht war, vomKunsthandel zu leben. Das Verhältnis zwischen beiden war sehreinfach und klar. Mein Bruder übernahm es, Böcklins unverkäuf-liche Arbeiten an den Mann zu bringen, weil er an dem Siegeernster Kunst nicht zweifelte; er verschaffte sich den Kredit, umBöcklin seine Bilder abzukaufen. Böcklin versprach, sie zuerst ihmanzubieten. Mein Bruder setzte seine ganze Kraft ein, hohe Preisefür die Bilder zu erzielen. Das war in beider Sinn. Denn mitdem Wert der Bilder wuchs Böcklins Verdienst. Mit bescheidenenMitteln, im Grunde nur mit einem kleinen Stamm guter Kunst-werke, die er auf Auktionen erworben hatte, unternahm mein Bruderden Versuch, dem Kunsthandel, wie er damals betrieben wurde,entgegenzutreten, jenem mit gut verkäuflicher Ware. In einemkleinen Laden Unter den Linden und später iu der Behrenstraße inBerlin errichtete er ein Geschäft, von dem man sagen kann: dieöffentliche Würdigung von Böcklin , Thoma, Marees, Hildebrand, Uhde,Liebermann ist aus diesen Räumen hervorgegangen. Was die Aus-stellungen zurückwiesen, was die Aufnahmegerichte, die Hänge-kommissionen und sonstigen künstlerischen Gemeinschaften durch Jahregrundsätzlich ablehnten, befeindeten, verlachten, was also den Künstlernuud Knnftkenuern nicht als echte Kunst erschien, dafür setzte er seinebescheidenen Mittel, die eigene Zukunft, seine geschäftliche Ehre, seineGesundheit ein. Man rühmt so sehr jene Kunstfreunde, wie dieGrafen Raczynski und Schack, die mit reichen Mitteln aus-gestattet, vorsichtig das Gute wählten, die besten Künstler ihrerZeit fördernd. Sie wagten ihr Geld wohl an ein Kunstwerk,das von anderen verhöhnt, vielleicht sich auch in Zukunft minder-wertig erwies. Ihr einziger Nachteil bei einem Mißgriff war derBesitz eines verfehlten Bildes. Mein Bruder mußte sich selbst beijedem Kauf eiues Bildes einsetzen, mußte sich darüber klar sein,daß endlich Böcklin siegen werde, trotz dem Gezeter der Künstlerund der Kritik, nur geistig unterstützt von wenigen.
Es waren Festesstunden, schreibt mein Brnder Ludwig, wenn
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