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VIII. Die Kunst aus Eigenem.
Fritz von Florenz zurückkehrend die Schätze heimbrachte, die er dortdem großen Meister von der Staffelei oft mit Einsetzen seines ge-schäftlichen Daseins wegkanste. Denn Böcklin forderte Barzahlung,Preise, die heute als bescheiden gelten, damals aber allen als ge-radezu lächerlich hoch erschienen. Es waren Festesstunden, wenndiese Werke ausgepackt und nun mit einmütigem Entzücken in oftstundenlanger Betrachtung vorausgenosseu wurden. Der Ärger be-gann, sobald sich die Pforten der Ausstellung öffneten; lauterSpott, rohes Lachen, bestenfalls mitleidiges Achselzucken. Das Ein-trittsgeld deckte kaum die Kosten für Fracht und Katalog, die herr-lichsten Werke, wie das von meinem Bruder so getaufte Bild DasSpiel der Wellen — Böcklin selbst nannte es: Ein Bild —mußten auf Jahre iu den Lagerraum gestellt werden, damitden Ausstellungen nicht die Abwechslung sehle. Unter den größtenAufregungen und Anstrengungen hielt er sein Geschäft aufrecht,ein einziger Mißgriff hätte ihm oft verhängnisvoll werden können.Es war keine Kleinigkeit, täglich die Vorwürfe des gebildeten Berlin anzuhören, daß er mit diesem Zeuge dem niedrigsten Sensations-bedürfnis diene; daß er solchen Unsinn ausstelle und ernstenMenschen zumute, sie für echte Kunst zu nehmen. Wohlwollendenahmen ihn wohl vertraulich beiseite und erklärten gönnerhast, siekönnten es ja dem Familienvater nicht übelnehmen, wenn er Geldverdienen wolle; nur solle er doch so ehrlich sein, wenigstens imFreundeskreise zuzugeben, daß er selbst nichts von dem Schwindelhalte. Dies Ertragen des Ansturmes des Unverstandes, der sichin Abwesenheit der Künstler auf ihn allein entlud, war eine schierübermenschliche Leistung. Wie oft bin ich aus seinem Laden fort-gerannt, da mir das bloße Zuhören der Witzeleien des anmaßendenKunstpöbels, namentlich des vornehmen, unerträglich war; mit un-erschöpflicher Geduld ließ er all den Spott, all den Hohn, all dieAnklage über sich ergehen. Ein gewisser Galgenhumor verließ ihnnie: Sagen Sie selbst, Herr Gurlitt, Böckliu will sich nur überuns lustig machen! Möchten Sie so ein Bild besitzen? König-liche Hoheit, ich bin Kunsthändler, ich möchte, daß königliche Hoheitdas Bild besitze! Er gab seinen Ausstellungskatalogen gern be-gleitende Worte bei: Knochen zum Nagen für kritische Hunde, wie