Achtes Kapitel.
Innere Medizin und deren HilfsWissen-
schaffen.
Innere Medizin.
Wir haben schon im ersten Kapitel die verschiedenen Geistes-strömungen besprechen können, welche aus dem 18. Jahrhundert her-über auf die neue Zeit eiuwirkteu, haben Hallers und BrownsLehren kennen gelernt, den Nitalismus, Animismus und die Homöo-pathie besprochen und sahen, daß die deutsche Medizin die im Aus-lande auftauchenden Lehren sich rasch zu eigen machte, weil imeigenen Lande keine selbständigen Gedanken blühten. So ist esbezeichnend, daß der Streit nm die Brownsche Lehre nicht in derHeimat Browns, sondern in Deutschland ausgefochten wnrde.Der Mann, von dem an den deutschen Hochschulen überall dieRede war, war damals in England schon lange vergessen. — Alsdie französische Revolution einen neuen Geist auch in die Wissen-schaft brachte, hatte es den Anschein, als sollte es auch inDeutschland tagen, aber getreu ihrer Neigung zur philosophischenSpekulation, machte die heimische Medizin zuerst noch die natur-philosophische Schule durch, bis es auch ihr gelang, die Freiheitzu gewinnen. — Die Führer jener Übergangszeit waren zweiunserer größten Philosophen: Kant und Schelling . Erstererhatte in seiner „Kritik der reinen Vernunft " den Dogma-tismus verworfen und klar ausgesprochen, daß die sinnliche Er-kenntnis höher steht als das spekulative Denken. Es war alsoder Medizin und den Naturwissenschaften schon der Weg gezeigt,
Müller, Organ. Naturw. 23